Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Die neue Türkei [Rezension]
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 39 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Presseschau: Die neue Türkei In einem durch schöne photographische Aufnahmen illustrierten Aufsatz „Durch die neue Türkei" (Atlantis, o. Jahrg., Nr. 3) gibt Dr. Karl Klinghardt eine eindrucksvolle Beschreibung des nationalen Wiederaufbaus der Türkei, durch den das Kräfteverhältnis im vorderen Orient entscheidend beeinflußt wird. „Ein neuer völkischer Staat", sagt Klinghardt, „erhob sich phönixartig aus den rauchenden Trümmern eines überlebten und zusammengebrochenen islamischen Großreiches. An Stelle des Sultans und Kalifen waltet ein moderner Staatspräsident, der laizistisches Denken zu einer der Grundlagen seiner Volksführung gemacht hat. Überali im Lande werden Eisenbahnen gelegt, Autostraßen gebaut, wachsen, manchmal pilzartig, Fabriken aus dem Boden. Wo einst am Ufer eines rauschenden Flüßchens die Bevölkerung der nahen Stadt „spazierensaß", um — nach Geschlechtern streng geschieden — bei Kaffee und Tabak sich in stundenlanger Beschäftigungslosigkeit zu ergötzen, tollen heute Mädel und Buben in knie- und armfreier Sporttracht auf neuangelegten Übungsplätzen. Der Fußball, vor dem Weltkrieg in Kleinasien noch völlig unbekannt, setzt an jedem Festtag. Zehntausende von Männern und Frauen aller Altersstufen in Bewegung und freudige Erregung. Wo einst — d. h. noch in der Weltkriegszeit — alle Städte und Marktflecken, ja selbst die beiden Großstädte, die heute Istanbul und Ismir heißen, in ihren türkischen Stadtvierteln das Gesicht unverrückbarer Überlieferungstreue zeigten, wo der ganze Anstrich des Lebens verschlafen und verstaubt erschien, da ziehen sich heute Zementstraßen zwischen modernen Geschäftshausfassaden, werden Fabriken und Staatsgebäude errichtet, man kann sagen mit der Selbstverständlichkeit eines amerikanischen Stadtaufbaus." „Wie ist", fragt Klinghardt, „dies Wunder zu erklären? Immer wieder und mit Recht wird die Frage gestellt, die aufs eindringlichste auftauchen muß, wenn man das türkische Gestern neben das neutürkische Heute hält. Wer das türkische Volk nicht gründlich kennt, vor allem auch nach seiner geistigen und seelischen Beschaffenheit, der kann nicht die Staatserneuerung durch Kemal Atatürk und noch weniger den ungeheuren inneren Kulturumbruch begreifen, der für die so außerordentlichen außenpolitischen Erfolge Kemal Atatürks sowohl Grundlage als Auswirkung, sowohl Keim wie Frucht bedeutet. . . . Denkmäler des Staatsschöpfers in Istanbul und in Ankara, modernste Großanlagen — nachts mit Scheinwerfern bestrahlt — reden von dem Kampf der Waffen, der Hände und der Geister, der hier gewesen ist. Noch deutlicher fast, wenigstens für den Türken, sprechen die erstaunlichen Bahnbauten, die seit dem Weltkrieg ganz Mittel- und Hinteranatolien dem Verkehr erschlossen haben und unter anderen die erste Querverbindung vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer gestalteten. Rund dreitausend Kilometer neuer Bahnen sind seit dem Weltkrieg vom neutürkischen Staate und in staatlicher Leitung geschaf- 39