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Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Diesseits und jenseits vom Aequator
Date
1937-04-01
Page
36 (sequence 5)
Language
German
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Fritz Benjamin wird der mythendichten Gewalt dieses Bodens verfallen. So dicht ist die Seele des Landes, daß Nichts sich in Äonen verliert; so dicht in aller Mühe des täglichen Lebens, daß Gemeinschaft zum immer neuem Erlebnis wird und sich wieder und wieder goldene Türme des Glaubens baut. So erzählte ich von Palästina, — in Brasilien. Sie horchten auf und sahen hinüber in das vergeistete Land... Altwelt und Neuwelt! — Ein Abstand tut not. Darum hüten wir uns, das Gegensätzliche in dürre Begriffe zu spannen. Wir fühlen, was uns in Palästina berührt: welch eine Kargheit des Vegetativen in der Überdeutlichkeit seiner Landschaft, die der Strenge des Sternenhimmels gehört! Aber welch ein Hintergrund für die Seelenabenteuer der Patriarchen und für die Propheten bis auf unsere Tage, welch eine menschliche Dichte! In Brasilien aber sollte unter allen biblischen Geschichten einzig die Sintflut angesiedelt sein, wo aus dem strömenden Grenzenlosen die Kuppen der Berge erscheinen. Die Arche senkt sich in den brodelnden Kessel, und die Tiere stürzen heraus unter das Dach der besinnungslos wuchernden Pflanzen. Die Erde erbebt aus unbeschrittener Fülle. Hier ist das Paradies der unerkannten Götter! Niemand suchte sie; Natur überbrandete mit schmerzhafter Gebundenheit ein leeres Land von kategorischer Wildheit. So blieb es ungedeutet... Die aber heute in Rio leben, möchten selber von der Wildnis nichts wissen . . sind empfindlich dafür, als ein Kolonialvolk zu gelten. Ihr Weg führte fast übergangslos — ohne die Bürde und außer der Würde der Tradition — vom Urwald zum Amerikanismus. Jetzt strotzt der Erfolg von allem zivilisierten Luxus. Ihr Land, von der Unermeßlichkeit eines Kontinentes beschützt, regiert sich im Wechselspiel des persönlichen Ehrgeizes und der wirtschaftlichen Eifersucht seiner Bundesstaaten. Das Volk aber, vom Zufall aus Portugiesen, indianischen Splittern und dunkelhäutigen Afrikanern zusammengeworfen, blieb ein Glücksspiel mit Menschen, und die regierenden Herren der kleinen iberobrasilianischen Oberschicht ziehen es vor, weitherzig und unter Umständen sogar etwas farbenblind zu sein, wenn sie auch wünschen, eines Tages ein von mittelländischen Völkern bewohntes Süd-Amerika herausdestillieren zu können. Der Fremde indes nimmt zur Kenntnis, daß vorderhand jeder Dritte in Rio ein Farbiger ist, daß Neger und Mischling dem Bilde die natürliche Note geben, und daß ihre leichtgebauten Hüttendörfer, von Bananenstauden umstellt, an alle Vorstädte grenzen. Ja, er bemerkt, daß sie eines gewissen Ansehens nicht ermangeln, wundert sich über groteske Bemühungen, der zivilisierten Umwelt 36

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