Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Die unruhigen Tage ...
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 18 (sequence 7)
- Language
- German
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Es geschah um Mitternacht... An Wundern viel hast Du gewirkt zur Nacht, Beim Anbeginn der Wachen dieser Nacht; Chaldäas Flüchtling1) teiltest du die Nacht: Es war um Mitternacht. Den König2) straftest du im Traum der Nacht, Erschrecktest Laban in verfloßner Nacht; Festhielt den Engel Jakob in der Nacht: Das war um Mitternacht. Getötet ward die Erstgeburt zur Nacht, Hinschwand Ägyptens Kraft zur selben Nacht; Im Kampf mit Sißra focht der Stern zur Nacht: So wars um Mitternacht. Jechiskijahus Feind3) verdarb zur Nacht; Kam Daniel und stürzte Bei zur Nacht, J) Abraham. 2) Abimelech von Gerar. eben ist es März, aber das Erdreich an den Hangen strotzt vor Gras und sommerlichen Blumen. Wie die Sonne sich eindrängt in den Wasserspiegel, und wie die Bergseetiefe sich erhellt, daß man vom Wiesenstrande aus am Grund die Kieselsteine zählen kann! Klarer noch als das Wasser und lind wie der sachte Atem der Gebirge ist die Luft im Kessel des Vierwaldstätter Sees; welche Schönheit, welche reinliche Frische über der Landschaft 1 Wollen wir bleiben? Von Italien kommt im Wind der südlichsüße Duft über die Berge hernieder, ah, Florenz und Venedig, und so nahe nah die östliche Vergangenheit. Schauen Sie, die kleine Wolke über dem Pilatus, gestern, um die Zeit des Sonnenuntergangs, mag sie noch vielleicht, orangefarben, über den Tiberias-See gezogen sein; und wer weiß, wenn der Wind sich dreht, kann sie schon morgen wieder in Asien sein. Aber Nachbar, ich bin keine Wolke, die der Wind um die Erde jagt, nein, ich habe Wurzeln, wie die abgezehrten Kiefern bei mir daheim. — Böhmerwald, du Stadt an der Moldau, weinbeseeltes Wien und Alpenschnee und tiefe Schweizer Stille: alle habt ihr mich nicht satt gemacht. Ich muß heim! Nachbar, das Heimweh schüttelt mich, — sieh, die Dünen strecken sich im Froste, Ratten tanzen durch das scharfe Gras am Strand, und die Möwen flattern, Winterwellen branden: An mein Herz, du Mutter Ostseeland. „Guten Morgen", sagt der Wirt, als ich pfeifend und entspannt aus seiner Kneipe gehe. Frostrot steigt die Sonne über den Dächern auf. Aber wartet nur und zählt mit mir die Tage: denn wie lange noch, und der echte Frühling ist da. 18