Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Symbolisches Handeln
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Symbolisches Handeln Dasein, zu der Nüchternheit, die das äußere Gewand innerer Freiheit ist. Nur ein Stückchen Brot wird gegessen; sitzend. Es gibt eine stumme, sprechende Antwort. So schlicht diese Geste war, so sinnfällig ihr Symbolgehalt die langen Jahrhunderte hindurch, in denen Juden in hellenistischer Kulturumgebung lebten. Dann sank der Brauch, durch die Ordnung des Festes bewahrt, zur sinnlosen Gewohnheit herab, zum Kinderspiel, zum Aberglauben. Der Sinn ist verstummt, doch nicht unter Massen historischen Schuttes vergraben und unverbogen. Man braucht nur daran zu rühren, und er spricht verständlich wie je, verständlicher sogar als die Stücke gleich alter Gelehrtenweisheit, die die Peßach-Haggada ebenfalls bewahrt. Methodische Deutungskunst ist dem Wandel der Zeit unterworfen; eine Haltung, in einer Handlung ausgedrückt, überdauert den Wechsel. Eine Menge von Symbolen umgibt uns; von der Kraft zu solchem im Einfachen bedeutungsvollen Handeln ist im heutigen Leben wenig übrig geblieben. Dem Tod gegenüber gelingt es allenfalls noch, in dem Grabmal des Unbekannten Soldaten, in der einen Minute Verkehrsstille zum Gedenken an einen großen Mann. In Indien hat Gandhi Ähnliches versucht, als er die Handspindel zum Zeichen gewaltlosen Kampfes gegen die Einführung englischer Waren erhob; doch er setzte die Rückkehr zum primitiveren Werkzeug nicht durch, seine Spindel wurde zum Emblem statt zum Symbol, wie der Ritterhelm im Wappen eines Herzogs, der längst Auto fährt. Uns Juden zieht Gott nicht mehr in einer Feuersäule voran, und wir haben den Schlüssel verloren, der ein Leben unter dem Joch des Gesetzes mühevoll, doch sinnvoll machte, und leicht die Entscheidung zwischen Gut und Böse. Religiöse Genies, die ihre Generation und die nachkommenden wieder glauben lehren, sind so selten wie die der Kunst oder Politik. In den letzten Jahren waren Manche bereit, ihr Judentum aus der Rumpelkammer zu holen und gutwillig zuzusehen, was sich nun damit anfangen ließe. Sie haben in Vorträgen, in Büchern, in den Ar- 2