Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Symbolisches Handeln
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / Monatsschrift der juden in Deutschland BEGRÜNDET VON PROFESSOR DB. JULIUS GOLDSTEIN. DARMSTADT 13. JAHRGANG APRIL 1937 HEFT 1 Symbolisches Handeln Nach dem festlichen Mahl der Peßachfeier, bevor man den Tischdank beginnt, teilt der Hausherr jedem Mitglied der Tafelrunde ein Stückchen Mazza zu, Aphikoman, Nachtisch genannt. Der Volksbrauch hebt seine Bedeutung dadurch hervor, daß der Hausherr, gelang es den Kindern, die Mazza unbemerkt wegzunehmen, sie durch das Versprechen eines Geschenkes auslösen muß; der Aberglaube benutzt im Jahreslauf ein Stück davon als Talisman gegen Feuersnot. Wort und Gebrauch sind griechisch, wie denn griechische Sitte nachwirkt in der Vorschrift, zur linken Seite an Polster gelehnt den Wein zu trinken: liegend, auf den linken Unterarm gestützt nahmen die Griechen ihre Mahlzeit ein, nur Sklaven saßen beim Essen. Doch ein griechisches Dessert sieht ganz anders aus. Das „Gelage", sei es durch noch so geistvolle Gespräche veredelt, geht in scharfen Trinkzwang über und mündet in sinnloser Trunkenheit; man mag es am Schluß von Piatons 'Gastmahl' nachlesen. Erst gegen diesen Hintergrund gehalten gewinnt der jüdische Brauch seinen eigentlichen Sinn: auch dem Peßachmahlfehlen die befreienden Kräfte des Weines nicht, doch an die Stelle des Rausches trittein kleines Stück Brot, ein dürftiger und nüchterner Ersatz. Es ist jenes „Brot des Elends", das in der Hast des Aufbruchs zur Freiheit nicht ausgären konnte, ist das Symbol der Befreiung selbst: nun, als Aphikoman genossen, wird es ein Zeichen der Absage an die damalige Hochzivilisation, ein Bekenntnis zum dürftigen, nackten, gefährdeten /