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Der Morgen · 1937-03-01 · Heft 12 (März 1937) · p. 575

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 12 (März 1937)
Article
Eine Reise nach Jerusalem [Rezension]
Date
1937-03-01
Page
575 (sequence 3)
Language
German
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ber der galiläischen Lieblichkeit, die heute auch wieder gepflegt wird. Palästina, so heißt es am Schluß, braucht die Initiative der Juden und die Dauerhaftigkeit des Arabers; dann wird es aufblühen wie eine Rose. Ich denke, daß unser Glaube nicht geringer sein darf. Arthur Eloesser. Geschichtsbewußtsein und Geschichte Vor einiger Zeit las ich in einem modernen Buche den Satz: 'Erkenntnis ist immer ein Sterben V Welch müdes, resignierendes, — und welch unwahres Wort! Erkenntnis als Frucht wirklicher Wissenschaft wird immer Ausdruck eines zukunftswilligen Schöpfungstriebes sein, dessen Kräfte sich aus dem Lebenswillen einer Gemeinschaft nähren. Gerade der Geschichtswissenschaft als der 'rückwärtsschauenden Prophetie' fällt die Aufgabe zu, neben an sich wertvollen, rein ideellen Erkenntnisergebnissen die Zeiterscheinungen der Gegenwart in ihrer historischen Bedingtheit zu verstehen und durch den Bück auf die Vergangenheit in die Zukunft zu weisen. Deshalb wird gerade heute jede objektive wissenschaftliche Betrachtung der Geschichte der Juden in Deutschland den Anspruch erheben dürfen und müssen, mit innerer Anteilnahme beachtet und erarbeitet zu werden. Mehr als je tut uns Juden in Deutschland heute Geschichtsbewußtsein not. Diese Gedanken dürfen bei einem Hinweis auf die beiden letzten Hefte der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" (Jahrgang 6 Nr. 4, 4Jahrgang 7, Nr. 1) an der Spitze stehen. Denn die beiden Hefte bringen sowohl für die Zeit des Mittelalters als auch für die frühere Neuzeit und das 19. Jahrhundert außerordentlich wertvolle und aufschlußreiche Beiträge. Für das 14.—16. Jahrhundert sei auf die Arbeiten von H. Chone „Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert" und „Rabbi Joseph von Schlettstadt", auf Meier Spaniers „Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns" hingewiesen. Besonderes Interesse wird die wissenschaftliche Polemik von Wilhelm Grau gegen Raphael Straus beanspruchen dürfen. Für das 18. und 19. Jahrhundert sei Selma Stern- Täublers Aufsatz über „Die Behördenorganisation Friedrich Wilhelms I. und die Juden" erwähnt, der die besonderen wissenschaftlichen Kennzeichen der bekannten Historikerin zeigt, genaue Kenntnis der Verwaltungsgeschichte Preußens und gewissenhaftes Archivstudium. Hans Bachs Aufsatz „Der Bibelsche Orient und sein Verfasser" darf als ein ungewöhnlich wertvoller Beitrag zur Geistesgeschichte der Juden im 19. Jahrhundert bezeichnet werden. Er bietet weit mehr, als sein bescheidener Titel vermuten läßt: über den Nachweis hinaus, daß der Chacham Isaak Bernays in Hamburg der Verfasser jenes anonymen Werkes ist, gibt diese Arbeit aufgrund eindringender Kenntnis der Zeitliteratur Aufschluß über das Entstehen eines jungen religiösen Konservativismus, dessen Wurzeln „straffes Ritual, mystischer Glaube, freies Denken" sind. Ernst Fraenkel 575

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