Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Presseschau: Um die Heilige Schrift / F. F.
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 567 (sequence 1)
- Language
- German
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Presseschau: Um die Heilige Schrift Mit einem bedeutsamen Aufsatz „Wozu brauchen wir noch das Alte Testament?" (Glaube und Volk in der Entscheidung, 5. Jahrg., Nr. 7/8) hat Pfarrer Dr. Karl Cramer in den weltanschaulichen Kampf um das Alte Testament eingegriffen. Am Schluß seiner umfangreichen Ausführungen kommt er zu dem Ergebnis, daß „das Christentum in seinem Glauben mit dem Alten Testament unzertrennlich zusamhängt". „Im politischen Bau Israels, wie er durch die Bundesgesetzgebung des Mose gekennzeichnet ist", so führt Cramer aus, „ist das Volksleben so geordnet, daß ein Verfallen an den Baalismus nicht gut möglich ist. Geschieht etwas gegen die Bundesverfassung, so ersteht ein Mann, ohne Beruf dazu zu haben, lediglich berufen durch Gottes Geist, in einem charismatischen Amt und ringt die widrige Macht nieder. Der Schutz der Ordnung des Bundes und der Verfassung geht später an das geordnete Amt der Könige über. Als diese aber selber der Gefahr der Baalisierung unterliegen (der bekannteste Fall ist die Geschichte der ausländischen Königin Isebel, die den unerhörten Rechtsbruch und Mord an Naboth sich zuschulden kommen läßt, ohne der Bindung an die Verfassung des von ihr beherrschten Volkes zu gedenken), tritt sofort die allernachdrückiichste Gegenwirkung durch die Propheten auf den Plan (Elia und sein Nachfolger, dann die sogenannten Schriftpropheten Arnos, Hosea, Jesaia, Jeremia u. a.). Der Kampf gegen die Baalisierung endete damit, daß das Königtum seine Bedeutung verlor, mit dem Untergang des Volkes völlig verschwand und nur noch in Zukunftsbildern, aber hier mit einer dem Glauben entsprechenden Aufgabe fortlebte. Die geistige Führung des Volkes geht an die Propheten über, die den Sieg über den Baalismus festigen und diesen gänzlich niederhalten konnten. Das aus dem Exil zurückkehrende Volk ist politisch machtlos und muß für seine Existenz die Form der durch das Gesetz Mose verfaßten Gemeinde wählen, die ihm die Möglichkeit auch weiterhin verleiht, gegen das erneute Vordringen des Baalismus auf der Hut zu sein." „So ist", folgert Pfarrer Cramer, „die ganze Geschichte des Alten Testamentes, unter dem Gesichtspunkt der Geistesgeschichte betrachtet, ein ununterbrochenes Zeugnis dafür, daß an einer Stelle der Kampf gegen die Einordnung des Menschen in das Reich der Lebenskraft, des Nur-Vitalen, und damit gegen seine Gleichsetzung mit dem Tier erfolgreich geführt worden ist, und daß dieser Kampf mit dem Sieg der Menschlichkeit des menschlichen Seins im Unterschied von allem anderen Geschöpflichen geendet hat. Die Menschlichkeit des menschlichen Lebens aber wird dahin bestimmt, daß der Mensch seine Lebensführung nicht aus einer allgemeinen Lebenskraft bezieht, sondern aus der Verbundenheit mit dem anderen Menschen, auf den er angewiesen ist und der selbst von ihm her sein Leben hat. Diese Verbundenheit findet ihren Ausdruck im Wort, das 567