Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Bebele
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 559 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Friedet Motulsky: Jüdische Jugend im Londoner Eastend Gütel: Da siehst du, wie ausgelassen du bist. Für nichts und wieder nichts alle so zu erschrecken. Eidel sieht Bebele wortlos an. Gütel: Was bist du so traurig? Hast dich auch erschrocken? Was war denn eigentlich los? Eidel zärtlich: Hat er mit dir gesprochen, Bebele? Bebele: Ja, er hat zu mir gesprochen. Er hat gesagt, seine Mutter läßt mich für Schabbes zu ihnen bitten. Eidel: Ich habe mich so erschrocken. Gütel: Eidel, du bist mir doch so lieb, wie wenn du ein Kind von mir wärst. Meinem Kind kann ich nicht einmal einen Kuß geben. Komm du her. Sie umarmt Eidel und drückt sie heftig an sich. Gott wird geben, daß der, der dir beschert ist, sich bald findet. — Ich will nachsehen, ob schon Steine am Himmel sind. Geht hinaus. Bebele: Verzeihst du mir, Eidele? Eidel: Siehst du, ich bin nicht einmal ins Haus gekommen, als er da war. Bebele: Hättest du ihn sehen wollen? Eidel: Ich hab ihn durchs Fenster gesehen. Bebele: Er ist schön, nicht wahr? Sehr schön? Sie flüstert Eidel etwas ins Ohr. Eidel: Ja, Bebele, nicht mehr, ich schwöre dir, nie mehr. Gütel tritt ein: Nun, was machst du, Kind? Bebele: Mir ist schon gut. Ich möchte schon wieder springen und tanzen. Eidel geht zu ihr und umhalst sie: Was möchtest du, Bebele? Bebele: Willst du morgen noch zu mir kommen? Eidel: Ich komme, Bebele. Gute Nacht, Gütel. Gütel: Geh gesund, Eidele. Bebele: Gute Nacht, Eidele. Eidel: Schlaf gesund, Bebele. Sie geht weg. Gütel: Und so macht man das und erschreckt seine Mutter. Sie zündet die Lampen an. Friedel Motulsky: Judische Jugend im Londoner Eastend Das Londoner Eastend, nur durch eine halbstündige Fahrt von der City und ebenso lange von den westlichen und nordwestlichen Wohnvierteln entfernt, mutet auf den ersten Blick nicht wie diese als Stadtteil von London an. Denn außer der gemeinsamen Sprache gibt es in den Lebensgewohnheiten und Lebensnotwendigkeiten kaum etwas Verbindendes zwischen der Londoner City und den westlichen Wohnvierteln der upper- 559