Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Bebele
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 558 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Perez Hirschbein: Bebele Gütel: Einen guten Blick hat man dir gegeben, mein Kind. Böse Menschen. Was gucken sie soviel auf mein Kind? Warum lassen sie kein Auge von meinem Kind? Bebele: Gib mir ein bißchen Wasser, Mammeschi. Gütel: Drückt das Herzchen noch? Bebele: Es hört gleich auf. Man hört draußen, hinterm Fensler, sprechen. Gütel: Der Vater kommt mit Scholem-Meier. Bebele springt auf: Ich verstecke mich. Gütel: Wohin, mein Kind? Bebele: Sonst sieht er meine verweinten Augen. Ahron-Schloime und Scholem-Meier treten ein. Ahron-Schloime: Was ist mit dem Mädel? Gütel: Es war ihr nicht gut. Scholem-Meier: Einen guten Abend. Was ist denn, Brautmutter? Gütel: Meiner einzigen Tochter ist ein bißchen schlecht geworden. Bebele sieht von unten herauf zu Scholem-Meier hinüber: Wo ist Eidel? Ahron-Schloime: Sie kam doch hinter uns. Scholem-Meier: Bebele macht sich verrückt. Gütel: Ich habe Angst vor dem guten Blick. Scholem-Meier: Deinetwegen verspäten wir uns beim Abendgebet. Einen Gottesdienst verpaßt.. Gütel: Ich nehme die Sünde auf mich. Wann wärst du denn sonst hergekommen? Ahron-Schloime: Wenn die Mutter sie so zitterig hält... Sic hat sie verzogen. Gütel: Wenn sie nur ihrem Bräutigam so lieb wäre wie ihren Eltern I Ahron-Schloime tastet nach Bebeles Kopf: Mich erschreckt's. Che, che, ein Einfall.. Gütel nimmt ihren Kopf in die Hände: Ich sehe auch, bewahre, nichts Schlimmes an ihr. Bebele winkt Scholem-Meier verstohlen zu. Scholem-Meier: Meine Mutter läßt Bebele für diesen Schabbes zu uns bitten. Gütel: So Gott will. Sie wird sich nicht bitten lassen. Ahron-Schloime: Es möge nichts Böses sein. Komm, Scholem-Meier, vielleicht schaffen wirs noch zum Abendgebet. Scholem-Meier: Eine gute Nacht. Ich wünsche Bebele, daß sie bald gesund wird. Bebele: Ich bin schon gesund. Ahron-Schloime: Wir wollen uns ein bißchen eilen. Beide gehen. Gütel sieht ihnen aus dem Fenster nach: Wie schön er ist! Bebele schleicht sich hinter die Mutter und sieht auch hinaus: Da hinterm Fenster steht Eidel noch! Komm herein! Eidele, komm herein! Sie läuft zur Tür. Eidel tritt ein. Es ist zu sehen, daß sie geweint hat. Bebele: Ich bin so schlecht.. Eidele, bist du mir böse? 658