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Der Morgen · 1937-03-01 · Heft 12 (März 1937) · p. 554

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 12 (März 1937)
Article
Bebele
Date
1937-03-01
Page
554 (sequence 1)
Language
German
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Perez Hirschbein: Bßbßlß (Schiaß) Aas dem Jiddischen übertragen von Leo Hirsch Bebele: Wenn du willst., erzähl'. Aber dann bin ich böse mit dir. Eidel: Bis zur Hochzeit verträgst du dich wieder mit mir. Bebele: Du schämst dich auch, es zu erzählen. Eidel: Du hast mich doch hingeführt, warum soll dann ich Angst haben, es zu erzählen? Bebele springt auf Eidel los und hält ihr mit der Hand den Mund zu: Erzähl nicht, sonst bin ich ganz böse mit dir! Eidel nimmt Bebeles Hand mit Gewalt von ihrem Mund weg: Wir waren in der Frauenschul! Bebele: Erzähl nicht, erzähl nicht! Gätel: Was habt ihr in der Frauenschul getan? Eidel: Wir sind Inneingeschlichen, um zu sehen, wie Scholem-Meier lernt. Bebele versteckt ihr Gesicht und versteckt es in Eideis Schoß: Geh, ich bin dir böse. Ich werde immer böse mit dir sein. Ich will nie mehr mit dir sprechen. Eidel: Sie hat mich selber hingeführt. An der Ostwand haben wir durch das Vorhängchen geguckt, wie er neben dem Schrein mit dem Kopf zur Wand steht und sich still über dem Talmud wiegt. Bebele: Ich bin dir böse, ich bin dir böse. Gütel: Du dummes Ding. Warum darf man so etwas nicht der Mutter erzählen? Meinst du, die Mutter mag nicht etwas Schönes über den Bräutigam ihres Kindes erzählen hören? Natürlich macht es mir Freude, wenn er sitzt und die heilige Lehre lernt. Vater sagt, er ist ein großer Lerner und wird mit der Zeit noch ein Rabbi werden. Bebele hebt den Kopf empor. Ihr Gesicht verklärt sich. Eidel: Bist du wirklich noch böse auf mich, Bebele? Bebele: Willst du auch noch ihm erzählen, daß ich in die Frauenschul geh', zusehen wie er lernt? Nicht wahr, Mutter, es ist nicht fein, in die Frauenschul zu gehn? Gütel: Gewiß ist es nicht fein. Irgendjemand könnte es sehen. Bebele: Aber was soll ich tun, wenn ich ihn einmal sehen will? Vor der Hochzeit, sagst du, ist es nicht fein, wenn der Bräutigam zur Braut kommt. Eidel: Wenn er in einer andern Stadt wohnen würde, könntest du ihm Briefe schreiben. Ach, das ist so schön! Bebele: Wirklich, es ist schön, Briefe zu schreiben. Der Vater würde mich lehren, wie. man ein rundes Schin schreibt, denn Scholem- Meier fängt doch mit einem Schin an? Aber dafür, daß du der Mutter erzählt hast, wo wir waren, zeige ich dir auch das T'filliri- Säckchen nicht, an dem ich jetzt sticke. 554

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