Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Zeitnotizen
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitnotizen Sensationen überraschte, ist im Umkreise der Palästinapolitik äußerlich Ruhe eingekehrt. In den Büros schreitet die Sichtung des Materials fort, und ab und zu bereichert noch hinter verschlossenen Türen ein hervorragender Sachkenner Lord Peel und seine Mitarbeiter um spezielle Erfahrungen. Aber nichts davon dringt mehr hinaus aus den vier Wänden, innerhalb deren jetzt ein entscheidendes Stück jüdischen Schicksals geschmiedet wird. Es ist, als sollte die hochgespannte Erwartung, in der die jüdische Welt dem Gutachten der Königlichen Kommission entgegensieht, durch keine äußere Ablenkung mehr gelockert werden. Denn selbst die Kugeleinschläge und Bombenexplosionen, die sich in Palästina in letzter Zeit wieder mehren, sind keine Signale mehr, nicht für die Araber und nicht für die Juden. Sie bilden nur noch die traurig-eintönige Begleitmusik der Arbeit und des Wartens. Mit dramatischer Wucht, an der ein Unbeteiligter vielleicht eine künstlerische Freude hätte empfinden können, sind im Arbeitsbereich der Königlichen Kommission drei Welten aufeinandergeprallt. Wir haben zwar schon genug Kommissionen erlebt, und ihre Vernehmungen, Untersuchungen und Empfehlungen gehören zum eisernen Bestand der britischen Regierungspraxis. Aber noch nie, so will es uns scheinen, standen sich die Parteien so gültig gegenüber wie diesmal: Weizmann, der zugleich kluge und leidenschaftliche Wegsucher für die wieder einmal zur Wanderung aufgebrochene jüdische Gemeinschaft; der Mufti in elementarer, fast noch naturhafter Auflehnung gegen eine vermeintliche Lebensgefahr, und schließlich Lord Peel, der Staatsmann des Empire, auf vorsichtig wägenden Ausgleich bedacht und nur selten aus der Reserve des Beobachters hinaustretend in den Kampf der Meinungen. „Die Semiten", schrieb E.T.Lawrence in seinem Buch 'Sieben Säulen der Weisheit', „kennen keine Halbtöne in den Registern ihrer Vorstellungskraft". Und Lord Peel faßte seine Eindrücke zusammen in dem Satz, daß es das Wort Kompromiß offenbar im Osten nicht gebe. Das wäre nach der ganzen Natur der englischen Politik ein Eingeständnis ihres Bankrotts für Palästina. Wir wissen, daß wir als Juden das nicht wünschen dürfen, und daß schon der bloße Gedanke daran Gefahren in sich schließt. Kürzlich hat der Präsident des polnischen Legionärverbandes und besondere Vertrauensmann des Marschalls Rydz-Smigly, Oberst Adam Koc, dieGedanken und Richtlinien dargelegt, nach denen die polnische Regierungspolitik sich in Zukunft vollziehen wird. In der jüdischen Welt ist diese lange angekündigte Publikation 531