Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 520 (sequence 2)
- Language
- German
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chen Gefahren ausgesetzt ist wie die Juden in anderen Ländern. Eine bemerkenswerte Erscheinung in der holländischen Judenheit ist die hohe Zahl der jüdischen Arbeiterschaft. In ihr nehmen die Diamantarbeiter eine besondere Stellung ein. H. Heertje hat jetzt in seinem Buch über „De Diamantbewerkers van Amsterdam" diese Gruppe der Bevölkerung — das heißt, da die Diamantarbeiter überwiegend Juden sind, der jüdischen Bevölkerung — einer eingehenden soziologischen Untersuchung unterzogen. Wir erfahren von der Geschichte der Diamantenindustrie in Amsterdam, von der Kaapschen Zeit in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die ein besonderes Aufblühen dieses Gewerbes im Zusammenhang mit der Entdeckung der Diamantenfelder in Südafrika brachte, sowie von der Technik der Diamantverarbeitung. Eine eingehende Darstellung finden die Entwicklung der vorbildlichen Berufsorganisation der Diamantarbeiter und die Lebensweise und sozialen Verhältnisse dieser Menschen, die in vielem von denen anderer Arbeitergruppen abweichen. Familienleben, Wohnverhältnisse, Gesundheitszustand, die Beziehungen zur Religionsgemeinschaft und zu den politischen Parteien werden dargestellt und geben interessante Aufschlüsse. Bemerkenswert ist auch, was Heertje über die Verwendung der Freizeit festgestellt hat. Er hat sich im ganzen mit seinem Buch ein großes Verdienst erworben. Denn die Untersuchung dieser merkwürdigen jüdischen Gruppe als Bestandteil der holländischen Judenheit war nicht nur für sich selbst wichtig; diese Form gründlicher soziologischer Beschreibung stellt in der Literatur über die Juden Westeuropas fast ein völliges Novum dar, so daß die Arbeit auf weites Interesse rechnen kann. Doch nicht nur innerhalb der Judenheit Hollands bestehen die Probleme der Fortexistenz, auch nach außen gibt es in diesem freien und toleranten Land eine jüdische Problematik. Der frühere Führer der holländischen Zionisten, der jetzt in Jerusalem lebende Fritz Bernstein, schon durch sein viel beachtetes Buch „Antisemitismus als Gruppenerscheinung" bekannt, hat diese Fragen in einem neuen Buche „Over Joodsche Problematiek" in der ihm eigenen klaren und zwingenden Form dargestellt. Bernstein beschreibt den allgemeinen Ursprung der jüdischen Problematik und wendet sich dann besonders der Frage der Juden in hervorragenden Stellungen zu. Diese bilden nicht nur ein jüdisches, sondern auch ein nichtjüdisches Problem. Er untersucht die einzelnen Gattungen der Prominenz: den Juden als Gelehrten, als Künstler, als Parteipolitiker, als Beamten, wie überhaupt die Juden als Gesamtheit in der politischen Sphäre unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zwischen Zionismus und Staatsbürgerschaft. Bernstein befürwortet das Recht auf Zerstörung von Illusionen. Sowohl nach außen: „Die Juden haben nichts zu verbergen. Je besser die Schwierigkeiten ihrer Situation von der Umgebung begriffen werden, desto besser für die Juden; desto besser auch für diese Umgebung selbst, welche, wenn sie für dieses Be- 520