Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Presseschau: Europäisches Denken [Rezension]
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 519 (sequence 2)
- Language
- German
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sieht und vom Leben schlechthin redet, und also von einer Aufgabe des Leibes gegenüber dem Geist, darum es Nietzsche noch ging, nichts mehr weiß und zuletzt 'Geist' in der Bestimmung 'akosmische Macht' zu einer wunderlichen Abart des christlichen Teufels degradiert." F. F. E. Boekman: Demografie van de Joden in Nederland. Verlag Menno Hertzberger & Co., Amsterdam 1936. H. Heertje: De Diamantbewerkers van Amsterdam. Verlag D. B. Centen, Amsterdam 1936. F. Bernstein: Over Joodsche Problematiek. Verlag Loghum Slaterus, Arnhem 1935. Holland galt von jeher als ein Mittelpunkt jüdischen Lebens in Westeuropa, obwohl es nur etwa 112 000 Juden unter seiner Bevölkerung zählt. Trotzdem ist über die holländischen Juden verhältnismäßig wenig bekannt, und es gibt auch nicht viel Quellen, aus denen man sich über sie informiere! könnte. In letzter Zeit sind nun einige Bücher erschienen, die einen Einblick in das Leben der Juden in Holland und zugleich in deren Problematik geben. Der Amsterdamer Stadtrat E. Boekman, ein Jude, hat ein Buch „Demografie van de Joden in Nederland" veröffentlicht, in dem er auf Grund der holländischen Bevölkerungsstatistik eine Darstellung der besonderen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung gibt. Man sieht daraus, daß die holländische Judenheit nicht mehr die festgefügte Gruppe ist, die sie früher war. Auch dort mehren sich die Erscheinungen, die bei der Judenheit anderer Länder bereits früher festzustellen waren und von verschiedenen Schriftstellern beschrieben worden sind. Auffällig ist vor allem der starke Geburtenrückgang. In Amsterdam ist die Zahl der von jüdischen Müttern geborenen Kinder in den ersten dreißig Jahren dieses Jahrhunderts — die letzte holländische Statistik wurde im Jahre 1930 durchgeführt — von 1415 auf 877 jährlich zurückgegangen, was einen relativ stärkeren Geburtenrückgang der Juden gegenüber den anderen Bevölkerungsgruppen bedeutet. Dagegen ist die Sterblichkeit bei den Juden geringer als bei den Nichtjuden. Das Ergebnis ist also auch hier eine zunehmende Überalterung. Auch die Zahl der Mischehen ist im Zunehmen begriffen. Kamen in Amsterdam in den Jahren 1911— 1915 auf insgesamt 4281 jüdische Männer und Frauen, die die Ehe eingingen, 323, die eine Mischehe eingingen, so stieg diese Zahl in den Jahren 1931 bis 1934 auf 776 bei insgesamt 4602 Juden und Jüdinnen, die eine Ehe schlössen. Bemerkenswert ist auch die zunehmende Konzentration in den großen Städten. 82o/0 der gesamten jüdischen Bevölkerung Hollands leben in nur sieben Städten — davon 59o/o allein in Amsterdam! —, während die restlichen 18°/0 sich auf 400 Gemeinden verteilen, von denen 325 Gemeinden nicht über 50 Juden zählen. Der Anteil der sephardischen Juden beträgt nur noch 4,6 <y0 aller holländischen Juden. Diese wenigen Zahlen zeigen deutlich, daß das Judentum in Holland den glei- 519