Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Bebele
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 501 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Perez Hirschbein: Bebele Personen: Ahron Schloime Gätel, seine Frau Bebele, ihre Tochter Scholem-Meier, Bebeles Bräutigam Eidel, Bebeles Freundin Liebe, eine Nachbarin Ein Knabe. Bei. Ahron-Schloime. Ein iveiß gekalktes Stäbchen. Vor den kleinen Fenslern saubere weiße Gardinchen. Der Fußboden mit gelbem Sand bestreut. Nach dem Feiertag, vor Abend. Ahron-Schloime sitzt im Hinfergrund an einem Tisch und „lernt" mit einem Knaben. Er kneift den Knaben in die Wange. Ahron-Schloime: Wenn du eine ganze Lernzeit so mit Lust lernst, bin ich dir gut. Ich werde es deinem Vater erzählen, und übers Jahr schickt er dich dann auf eine Jeschiwa. Willst du in eine Jeschiwa gehen? Der Knabe: Ja, Rabbi. Von der Gasse dringen die Laute von Kindern herein, die draußen spielen. Ahron-Schloime: Sag die Wahrheit, möchtest du jetzt nicht draußen mit den Kindern herumtollen? Der Knabe: Nein. Rabbi., ich will lieber Tora lernen. Ich will Rabbiner werden. Ahron-Schloime: Wenn du nur Lust, hast, wirst du Rabbiner werden. Dein Vater wird die schönste Heirat mit dir machen. Es wird eine große Ehre für ihn sein. Der Knabe: Wann werden wir Talmud anfangen? Ahron-Schloime: Noch diese Lernzeit. Ich bekomme noch einen Kameraden für dich, und dann fangen wir mit Gottes Hilfe Talmud an. Gätel tritt ein: So soll ich leben, wie du ein Narr bist. Was quälst du ihn? Laß ihn hinaus auf die Gasse, mag er mit den Kindern spielen. Willst du die ganze Tora auf einmal in ihn hineinstopfen? Der Knabe: Ich will nicht spielen. Ich will lieber Tora lernen. Gätel: Ein Segen von Gott, solch ein Kind zu haben. Weiß deine Mutter auch, daß du so gut Tora lernen willst? Der Knabe: Sie weiß. Gätel küßt ihn liebevoll auf die Wangen. Er schämt sich und ivischt sich die Wangen ab. Ahron-Schloime: Fe, fe, du machst mir meine Schüler wirr. Gätel: Geh heim, Jenkele, geh heim. Heute wirds schon genug für dich sein. Ahron-Schloime: Wenn du willst, geh. Sag der Mutter, der Rabbi hat die ganze Zeit mit dir gelernt. Der Knabe: Ich werde es sagen, Guten Tag. Geht hinaus. Gätel: Was würde mir fehlen, wenn der im Himmel mir meine Jimgehen nicht vor der Zeit genommen hätte? 501