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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 481

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Europa
Date
1937-02-01
Page
481 (sequence 1)
Language
German
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DER MORGEN / Monatsschrift der jdden in Deutschland BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN. DARMSTADT 12. JAHRGANG FEBRUAR 1937 HEFT 11 Leo Baeck: Europa Der Gegenstand der Kunst ist nach Taines bekanntem Wort „ein Stück Natur, durch ein Temperament hindurch gesehen". Aber er hat doch wohl den weiteren Bereich. Das ganze Universum mit allem, was es umfaßt, will sich in der Individualität des Künstlers brechen, um das Kunstwerk werden zu lassen. Alles, was da ist, kann und will im Kunstwerk etwas bedeuten. Dadurch eben, daß das, was kommt und geht, zugleich etwas zu bedeuten beginnt, etwas zu bedeuten vermag, sich in einem Menschen, und durch ihn für andere, mit Bedeutung erfüllt, wird es zum Vorwurf und Besitze der Kunst. Ihre Gaben und ihre Mittel sind verschieden, aber entscheidend in all dem Mannigfaltigen wird diese Bedeutsamkeit. Zu dieser Bedeutsamkeit gelangt ein Wesen, ein Ereignis, wenn es einen Zusammenhang von sichtbarer und unsichtbarer Weit ahnen und erleben läßt. Alles Äußere hat hier ein Inneres, alles Daseiende und Geschehende sein Seelisches. In ihm offenbart sich etwas; es ist nicht bloß ein Gegenstand, sondern zugleich, wie die Klassiker des vorigen Jahrhunderts sagten, ein Symbol. Es weist auf etwas hin, was hinter ihm ist und wovon es lebendig zeugt, auf ein Allgemeines, Umschlingendes, Bleibendes, auf ein Uneriorschlich.es, auf einen Sinn, einen Gehalt, ein Schicksal, eine Bestimmung. Etwas, was größer, höher ist, als der Gegenstand an sich ist, spricht aus ihm, etwas, was danach verlangt, bedeutet und gedeutet zu werden. Der Künstler erfährt es so, und durch sein Gestalten vermittelt er es anderen; vermöge dessen, was er ist, erfährt er es, und durch das, was er kann, vermittelt er es. 481

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