Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1937)
- Article
- Presseschau: Buch und Kritik / F. F.
- Date
- 1937-01-01
- Page
- 473 (sequence 2)
- Language
- German
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sten der Werke und ihrer Dichter, vor allem der Elisabethiner. In solch höchstem Sinne sind Männer wie er oder Walter Savage Landor, Alfred von Berger oder Hofmiller, Joseph Joubert oder Valery Larbaud »Kenner* der Dichtung genau so, wie man von jKennern' des Weines spricht; und zwar gerade jener höchsten Dichtung, die Hermann Burte mit einem ebenso gewagten wie gelungenen Gleichnis gern den ,Wein der Dämonen* nennt." F. F. Egon Jacobsohn und Leo Hirsch, Jüdische Mütter, Vortrupp-Verlag, Berlin 1936 Dieses Buch enthält Plaudereien über sieben jüdische Mütter (Glückel von Hameln, Gudula Rothschild, Frumet Mendelssohn, Betty Heine, Amalie Beer, Jeanette Herzl, Mathilde Rathenau). Das Einleitungs- und Ausgangskapitel stammen, ebenso wie die erste und letzte Frauenskizze, von Leo Hirsch; die übrigen Aufsätze hat Egon Jacobsohn verfaßt. Das Wort „Plaudereien" charakterisiert die Darstellungsart und deutet sowohl die positiven wie die negativen Seiten des Buches an: es ist leicht und gefällig geschrieben, wird einen Leserkreis in Spannung halten und vom Backfisch bis zur alten Dame Anhänger finden. Aber — abgesehen von einigen historischen Ungenauigkeiten —: man hätte gewünscht, daß die Bilder jüdischer Mütter nicht in dieser Form in die jüdische Literatur eingehen, sondern daß auch aus ihnen der Ernst, die Tiefe, die — Liebe und Respekt einflößende — Schönheit spräche, wie die gemalten Frauenbilder unserer Ahnen sie wiederspiegeln. H.K. Bertha Pappenheim, Gebete. Ausgewählt und herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund. Philo-Verlag, Berlin 1936 Bricht in einer Zeit, in der die Sehnsucht nach dem persönlichen Anruf Gottes menschliche Lippen nur selten zu bewegen vermag, die Zwiesprache mit dem Absoluten als Zwang aus einem Menschen heraus, so birgt sie sich am liebsten in Formeln altgewohnter Tradition, damit sich in deren Würde und Festigkeit alle Fragwürdigkeit wie von selbst aufhebe. Wo immer dem Aussprechen überkommener Gebetsbetsworte das Bewußtsein eines Zur-Rede-gestellt-seins des Sprechers voraufging, war es ein weiter Weg, der zurückgelegt werden mußte. Sehr viel weiter aber ist er dann, wenn sich das Gefühl der lebendigen Beziehung zu einem göttlichen Wesen in eigenen Worten gestalten will. Nach einer Epoche, die glaubte, jede absolute Hinordnung überwunden zu haben, ist den Menschen, die neu zu suchen anheben, als erstes Zeichen dessen, was ihnen vielleicht noch einmal beschieden werden könnte, eine neue Ehrfurcht zuteil geworden. Nur zögernd und scheu gehen sie der Erfahrung entgegen, von der sie noch nicht wissen, ob sie ihr gewachsen sein werden. In strenger Reinheit versagen sie sich jede voreilige Gefühlsschwelgerei und vermeiden das geprägte Wort, solange sein Urgehalt nicht in ihnen selbst aufgeklungen ist. In einer Zeit, in der solche selbstauferlegte Entsagung den Weg zum Göttlichen kennzeichnet, muß es deshalb als ein gewagtes Unterfangen erscheinen, 473