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Der Morgen · 1937-01-01 · Heft 10 (Januar 1937) · p. 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 10 (Januar 1937)
Article
Presseschau: Buch und Kritik / F. F.
Date
1937-01-01
Page
472 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Buch und Kritik Auf die sehr wesentliche Frage, inwiefern das Buch als Kulturträger anzusehen sei, geht Karl Korn in einem Beitrag „Literarische Ernte 1936" (Die Tat, 28. Jahrg., Nr. 9) ein: „Es gibt in Deutschland Pessimisten, was die Rolle des Buches in unsrer öffentlichen und privaten Wirklichkeit betrifft. Damit rühren wir an ein Problem, über das auch die glänzendsten Ziffern des Buchhändlerbörsenvereins nichts aussagen, nämlich an die Frage, ob heute bei uns eigentlich wesentliche Dinge im Schrifttum stattfinden. Es gibt sicher Leute, die darüber sehr verschiedener Meinung sind. Denn es wäre ja etwa eine literarische Blüte denkbar, mindestens eine Blüte, was die Mannigfaltigkeit und Zahl der Exemplare betrifft, und trotzdem könnte das Buch an Gewicht verloren haben. Es gibt so viele Einstellungen zum Gedruckten. Den einen verkünden die magischen Lettern von dem Geheimnisvollsten und Dringlichsten, die andern wollen sich mit ihrer Hilfe nur unterrichten und belehren, andere sich unterhalten oder ablenken von irgendwelchen Widerwärtigkeiten. Müssen wir uns diese Fragen nicht stellen, da die Kampfrufe gegen die Intellektualisten und Stubenhocker, die durch unsere Zeit gehen, doch wohl Ausdruck vorhandener Stimmungen (ob immer berechtigter sei dahingestellt) sind? Man kann noch allgemeiner fragen, nämlich ob das Geistige in unserer Zeit noch im Buch geschieht. Es hat Zeiten hoher Kultur ohne das Buch im Sinne der modernen Massenverbreitung gegeben. Manche vielleicht Überhellhörige wollen in der noch nie dagewesenen Überschwemmung mit Gedrucktem die Vorboten für eine beginnende innere Aushöhlung sehen. Sie meinen, daß das Wort sich künftig vielleicht anderer Verbreitungsmittel bedienen werde als des Buches. Wir teilen solche Meinungen keineswegs. Trotzdem glauben wir an sehr einschneidende Veränderungen im Bezirk des Schreibens und Lesens. Man sehe sich nur einmal nach einer Seite um, der man häufig den Rücken zukehrt, wir meinen die Existenz des Schriftstellers. Darüber wäre eine Statistik lehrreich und vonnöten!" Wegweiser zum kulturtragenden Buch soll der Kritiker sein; über seine ideale Form spricht sich Hans Hennecke in einem Aufsatz „Grundfragen heutiger Literaturbetrachtung" (Die Literatur, 39. Jahrg., Nr. 4) aus: „Detailkenntnis und Liebe zur Sache — ihr (sehr seltenes!) Zusammenspiel schafft den unvergänglichen Reiz der Literaturbetrachtung dessen, der zwischen dem bloßen Literaturfreund und dem Kritiker in der Mitte steht: des Kenners. Jedenfalls stellt er die Vorstufe des geborenen Kritikers dar. Sehr häufig bleibt er anonym und kommt nie zu gedruckter Äußerung; ihm im Leben zu begegnen, bleibt eine so seltene wie unvergeßliche Erfahrung: sein e Urteile vergißt man. eigentlich nie. Seine überragende Verkörperung stellt zweifellos Byrons Zeitgenosse Charles Lamb dar — dieser unerschöpfliche Zauberer im Aufweis des Eigensten und Heimlich- 472

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