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Der Morgen · 1937-01-01 · Heft 10 (Januar 1937) · p. 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 10 (Januar 1937)
Article
Das althochdeutsche Schlummerlied
Date
1937-01-01
Page
464 (sequence 2)
Language
German
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Carl Cohen gefunden worden. Das Interesse der eigentlichen Wissenschaft für diese Dinge ist erst spät, gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts erwacht. Das Schlummerlied wurde 1852 durch den getauften Juden Georg Zappert in Wien gefunden, auf dem Buchrücken einer anderen, an sich wertlosen Handschrift. Erst 1858 hat Zappert seinen Fund veröffentlicht in Form eines Referats vor der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Absonderlich und verwunderlich an Zapperts Fund war, daß mehrmals an Stelle des deutschen z ein hebräisches f, daß mitten im Liedertext, unterhalb und auf der Rückseite des Pergaments hebräische Wörter, daß an Stelle der deutschen Vokale a, e, i und ä gelegentlich hebräische Vokalzeichen stehen. Und diese Vokale sind nicht, wie es jetzt üblich ist, unterhalb, sondern oberhalb der Konsonantenreihe angebracht. „Wunder über Wunder" also, wie Karl Wolfskehl in der „Festgabe für Martin Buber" (1Q2S) schreibt. Ehe wir von den weiteren seltsamen Schicksalen dieses Liedes berichten, geben wir seine Fassung in der Ursprache, sowie die Übersetzung von Pfeiffer. „Tochä släf slümö, Docke1), schlaf, schlummre uueinön sär läzes! das Weinen sogleich lasse! Triuua uuerit craftlicho Triwa wehrt kräftig themo uuolfa uuurgjanthemo dem Wolfe, dem würgenden. släfes unza morgane Schlaf bis zum Morgen, mannes trütsunilo! des Mannes Lieblingssöhnchen. Osträ stellit chinde Ostra stellt (hin) dem Kinde honacegir suoziu, Honigeier süße, Hera prichit chinde Hera bricht dem Kinde pluomun pläwun rötun Blumen blaue rote, Zanfana sentit morgane Zanfana sendet morgen ueiziu scäf cleiniu fette kleine Lämmer unta einouugo herro hürit und der einäugige Herr2) verleiht horsco ascä hartä. bald (dir) harte Speere." In diesem Text stehen einige hebräische Wörter, und zwar unter tochä das Wort (= mein Freund, Liebling), unter Osträ das anklingende 1C9$ (Ester), unter Zanfana der gleichfalls anklingende Name n*}*? (Zipora). Dieses Vorkommen hebräischer Wörter in Verbindung mit der gelegentlichen Verwendung hebräischer Vokalzeichen statt deutscher (z. B. steht im Text morgfi statt morgane) läßt sich nur so erklären, daß ein Jude dieses Manuskript geschrieben hat. Mag sein, daß er die hebräischen Wörter verwandte, um sich die ihm schwer verständx) Docke Puppe, so noch heute in den skandinavischen Sprachen. 2) Gemeint ist Wotan. 464

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