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Der Morgen · 1937-01-01 · Heft 10 (Januar 1937) · p. 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 10 (Januar 1937)
Article
Vom Typenwandel der Jüdin seit hundert Jahren
Date
1937-01-01
Page
460 (sequence 2)
Language
German
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Bertha Badt-Strauß Nach ihrem Tode kommt die kluge Königsberger Jüdin Fanni Lewald nach Berlin und sieht dort den Zug der Geister der Vergangenheit in den Gestalten der Frauen, die neben den bedeutendsten Männern der Zeit etwa die Rolle der Prinzessin im Tasso gespielt hatten, — gerne hörend, wenn kluge Männer sprachen, daß sie verstehen konnten, wie die es meinten. . . Vor allem sieht sie, „wie eine Ruine großer Bauten aus vergangener Zeit", die mehr als siebzigjährige Henriette Herz im weißen Kleide, einst die schönste Frau von Berlin und Seelenfreundin des Hofpredigers Schleiermacher, nun anziehend nur noch durch „Wohlwollen und Duldsamkeit", — Eigenschaften, die einst sie befähigten, sowohl den Oden Ramlers wie den berauschten Hymnen der jungen Romantiker zu lauschen, wobei denn ihre Schönheit und eine ihr eigne klare Verständigkeit den Hörern das Fehlen eines selbständigen Urteils wohl ersetzte. Aber Fanni Lewald trifft im Berlin der Vierziger Jahre auch die einzige aus jener Generation der Mendelssohn-Kinder, die den Mut hatte, sich ihrer Welt entgegen zu stemmen. Das ist Sara Levy, die unscheinbare Schwester der schönen Wiener Baroninnen Arnstein und Elkeles, eine von den vielen Töchtern aus dem Hause Itzig. Ihr gehörte das berühmte Haus „hinter dem Packhof" mit dem alten Garten, in dem sich Bettina Brentano mit Achim von Arnim verlobt hatte. Sie hat es später mit durchaus unhöfischer Hartnäckigkeit selbst gegen König Friedrich Wilhelm IV. verteidigt, als man es ihr zum Neubau des Museums abkaufen wollte. Sara Levy ist zugleich die letzte und die erste einer Epoche in der Kulturgeschichte der jüdischen Frau in Deutschland. Als einzige unter ihren Schwestern bleibt sie bewußt dem angestammten altbiblischen Namen wie dem angestammten Glauben treu; ja sie schafft sich, wie Fanni Lewald zu berichten weiß, eine Mission daraus, die „Verteidigerin ihres Glaubens" zu sein, wo man ihn angreift, und dabei jeden Fortschritt der geistigen Bildung bei seinen Bekennern zu unterstützen. Aber sie geht noch einen Schritt weiter, den ihr weder Rahel noch Henriette Herz vorangeschritten waren: sie ist wohl eine der ersten Jüdinnen damals, die sich planmäßig sozialer Arbeit widmen. Unter den Eingaben des neugegründeten Israelitischen Waisenhauses findet sich ihr Name als der „Waisenmutter", die sich um das Waisenhaus nicht bloß durch ihre große Freigebigkeit, sondern auch durch Mitarbeit verdient gemacht hatte. Und es ist wohl verständlich, wenn Fanni Lewald von ihr berichtet, daß sie ganz anders als „die Hofrätin Herz" mitten in der beginnenden Revolution der Geister lebte und sich sehr dagegen verwahrte, mit ihren Altersgenossinnen nun auch 460

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