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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Ein Urkundenwerk zur mittelalterlichen Geschichte der Juden [Rezension]
Date
1936-12-01
Page
432 (sequence 3)
Language
German
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fen, dafür liefern Baers Urkunden zahlreiche Belege. Das Schwergewicht der Veröffentlichung liegt jedoch bei den Auszügen aus "der Gesetzgebung, den Verwaltungsmaßnahmen, den Beschlüssen der weltlichen und geistlichen Körperschaften. Seitdem Juden und Mauren als freie Bürger aus islamischer unter christliche Obrigkeiten kamen, waren sie besonderen, zumeist geringeren Rechts, wie bereits die Königliche Verfassung von 1255 (fuero real de Espana) beweist. Lange Zeit aber dauerte es im christlichen Spanien, bis auch hier die folgenschwere Theorie durchdrang, daß Juden dem Könige als Eigentum gehörten, über das er unumschränkt verfügen und das er zur Nutznießung verschenken könne. Verknüpft war damit ein gewisser Schutz, den die Könige ihnen gegen Herren und selbst gegen die Kirche angedeihen ließen. Auch ließen sie es sich nicht wehren, Juden mit den höchsten Staatsämtern zu belehnen und sich ihrer ärztlichen Kunst anzuvertrauen. Nichts hat die Bevölkerung so befremdet, ja empört wie die starke Bevorzugung von Juden bei der Übertragung der Steuerpacht. Zufolge der großen Vorschüsse, die diese der Krone leisten mußten, konnte es nicht ausbleiben, daß sie nur durch üble Methoden (Einsetzung gewinnsüchtiger Unterpächter u. dgl.) auf ihre Rechnung kamen und dem Volke als grausame Bedrücker erscheinen mußten. Wenn aber die weltliche Obrigkeit niemals die Oberzeugung preisgab, daß jüdische wie maurische Bevölkerung sehr wohl dem allgemeinen Besten dienen Könne, war die Kirche von Anfang an andrer Meinung. Seit der Synode von O v i e d o (1050) bis zu der von Alcalä (1436) ist eine gerade Linie erkennbar: Verbot des Verkehrs zwischen Christen und Juden bis zur völligen Trennung, mit dem letzten Ziele, die Juden der Taufe zuzuführen oder vom spanischen Boden zu verdrängen. Dem entspricht die Schärfe der Beschlüsse und die Glut der Kanzelreden. Die Zahl der Täuflinge schwillt bedenklich an. Da diese Neuchristen, mit den Worten Marranos oder Tornaderos gezeichnet, bürgerliche und geistliche Ämter beanspruchen, erheben sich dagegen in der altchristlichen Bevölkerung Widersacher und Aufstände. Am 1. Nov. 1478 wird die Inquisition errichtet, jenes Glaubensgericht, bei dessen bloßer Nennung man noch heute erschauert. Die Feuersäulen der Scheiterhaufen über ungezählten Opfern jüdischen Stammes beleuchten dann bis ins 18. Jahrhundert hinein die Geschichte der pyrenäischen Halbinsel. Die Inquisitionsakten aus den ersten Jahrzehnten des Tribunals erhöhen den Wert des vorliegenden Bandes durch fast durchweg neu entdecktes Material. Wir erfahren aus ihm von messianischen Bewegungen unter den Conversos um das Jahr 1500; wir lernen u. a. in Ynes Estevan aus Herrera eine andere Jungfrau von Orleans mit ähnlich tragischem Schicksal kennen. Diese Akten entlassen uns mit hochgespannter Erwartung auf die Fortsetzung der Baerschen Forschungen; doch verdient schon die bisherige Leistung hohen Dank und ungeteilte Anerkennung. S. Samuel 432

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