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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
[Rezension]
Date
1936-12-01
Page
429 (sequence 2)
Language
German
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Sie sollen nur zeigen, daß das Buch dem Juristen umfangreiches Material bietet, doch auch dem Nichtjuristen, der sich über ein aktuelles Teilproblem der jüdischen Gesamtsituation unterrichten möchte, vieles zu geben vermag. Werner Rosenstock Statistik des Gefühls Zur selben Zeit, als die jüdischen Statistiker sich darauf geeinigt hatten, die Verminderung der Juden in Deutschland durch Wanderung und Tod bis zum Sommer dieses Jahres auf 100 000 Seelen zu beziffern, verkündete ein Mitglied unserer Gemeinde diese Erscheinung auf kürzere Art. Der Mann lebt als Viehhändler in einem städtischen Vorort und hebt sich schon durch seine äußere Erscheinung aus der Menge heraus: er ist im Verhältnis zu seinem mächtigen Körperumfang viel zu klein, und der große blonde Hängeschnurrbart, der sein rundes Gesicht ziert, verstärkt den wuchtigen und massiven Eindruck. Er ist nach Art der Herzkranken sehr gemessen im Gang, langsam und sparsam von Gesten. Dieser Mann nun rief im Sommer, wohl schon in Vorahnung seines eigenen Todes und zugleich mit dem Unterton seines eigenen Wertbewußtseins, einer vorübergehenden Bäuerin eine Bemerkung zu, die, schnell zum geflügelten Wort geworden, uns immer wieder hilft, über allerlei Abschiedsschmerz hinwegzukommen. „Wie sagt's Meierche' von Dauborn?", fragen wir uns, und mit schmerzlichem Lächeln antworten wir: „Lisbeth, die Judde wer'n rar!" Erich Rosenthal Hans Joachim Schoeps, Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit, Band I, Vortrupp- Verlag, Berlin 1935 Schoeps holt in diesem Buch weit aus, um den richtigen Ansatzpunkt für die Behandlung seines Themas „in den Griff zu bekommen". Der Darstellung der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit voraus geht eine in großen Zügen abgefaßte Studie über die Entwicklung der jüdischen Religionssystematik während des Mittelalters. Dabei wird der gewaltige Stoff dieser Hoch- Zeit religionsphilosophischen Strebens sehr übersichtlich in zwei Gruppen, in die der mehr rationalistisch gerichteten und in die der mehr supematuralistisch eingestellten Denker eingeteilt. Diese sachlich berechtigte Gliederung erweist sich auch als furchtbares Motiv für die Behandlung der neuzeitlichen Religionsphilosophen, deren Bemühungen um die Erfassung des religiösen Sachgehalts sich in ähnlichen Typengestalten aufweisen läßt. Schoeps kennt genau die Bruchstelle, an der modernes Denken sich von mittelalterlicher Betrachtungsweise scheidet. Ein Hauptverdienst seiner Schrift besteht gerade darin, diesen Wendepunkt der jüdischen Geschichtsentwicklung an der Gestalt und dem Schaffen Moses Mendelssohns erneut aufgewiesen und verdeutlicht zu haben. Um es auf eine kurze Formel zu bringen: alles mittelalterliche Philosophieren im Bereich der Religion geht von oben nach unten, d. h. geschieht nur innerhalb des von der Offenbarung freigegebenen Raumes. Die Neuzeit ist charak- 429

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