Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1936)
- Article
- Das Philo-Zitatenlexikon [Rezension]
- Date
- 1936-12-01
- Page
- 427 (sequence 2)
- Language
- German
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dem die ganze Welt erobert", sagt Israel Zangwill. Sucht man die Belege dafür in der Auswahl von Rede und Schreibe jüdischer Männer und Frauen gerade aus der allerjüngsten Zeit, so wird man sich enttäuscht finden: das sind fast lauter blasse Abstraktionen, und weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Oder wohl nicht einmal weniger, sondern anderes. Die Einleitung sagt, man wisse eigentlich nicht genau, was Zitate seien. Das ist wahr: aber daß es keine langen, schwer übersehbaren Sätze sind, sondern kurze, würzige, bildkräftige, durch ihren Rhythmus leicht zu merkende Aussprüche, — soviel weiß man doch. Merkwürdig, wie sehr von den vielen genannten Autoren Moritz Heimann, Franz Rosenzweig und Chajim Arlorosoff durch ihre Bildkraft auffallen. (Nebenbei: wie die jüdischen Feste keine „Zitate" im engen Sinne sind, so eignen sich auch Buchtitel nur in Ausnahmefällen dazu.) Ein Nachtrag sammelt jüdische Sprichwörter und Redewendungen; hier kann man in Zukunft vielleicht der Volkskunde noch weiteres kostbares Material entlocken. Einstweilen seien ein paar Perlen für eine Neuauflage gestiftet: „Wenn ein Armer ein Huhn ißt, ist er krank — oder das Huhn"; „Vom Tehillim(Psalmen)sagen tut der Bauch nicht weh, aber satt wird man auch nicht davon"; „Liebe ist süß, aber sie schmeckt nur gut mit Brot". Es wäre ungerecht, wollte man mit diesen kritischen Ausstellungen im einzelnen den Blick dafür verstellen, daß das Buch auf den ersten Schwung seinem schwer erreichbaren Ziele schon nahegekommen ist. Ohne Vergnügen und Belehrung wird niemand es aus der Hand legen; und in die Hand nehmen sollte es jeder. — a — Religiöse Schutzzölle Alles, was in Palästina in Unordnung kommt, wird durch die Behörden der Mandatsregierung oder durch eine Königliche Kommission zu einem guten oder bösen Ende geführt. Und so ist es auch der Religion ergangen. Nur ist es dunkel, was eigentlich die Religion mit den palästinensischen Behörden zu tun hat. Aber Philosophen sind dazu da, um den Dingen, und Zollbeamte, um Koffern und Kisten auf den Grund zu gehen. Kurz, in Palästina sind religiöse Schutzzölle eingeführt, eine religiöse Zollmauer ist um das Land gezogen worden. Nicht etwa eine Mauer, die von der Religion gebildet wird; und auch kein „Zaun um die Lehre", nur ein Damm gegen die Einfuhr überflüssiger und überschüssiger Religion ins Land, ein Zoll auf Tefillin, Mesusot und S'farim. Daß nun ein Wettbewerb zwischen denen beginne, die eine Mesusa anschlagen, ein Sefer besitzen oder Tefillin legen wollen, ist trotzdem nicht zu befürchten: es gibt genug solche Dinge im Lande und wenig Nachfrage danach. Doch dieser Zoll stellt gewissermaßen die Durchführungsbestimmungen dar zu dem Bibelvers „Denn von Ziongeht die Lehre aus". Von einem I m port der Lehre nach Palästina steht ja wirklich nichts geschrieben . . . A—g. 427