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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 422

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Neue Jugend und alter Glaube [Rezension]
Date
1936-12-01
Page
422 (sequence 2)
Language
German
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Werner Cahnmann: Neue Jugend und alter Glaube zwischen Ost und West. Das außerdeutsche Westjudentum in Amerika, England und Frankreich sei jüdisch verdünnt, das Ostjudentum aber eine stumme, nicht organisierte Gemeinschaft, mittelalterlicher Restbestand. Das Judentum in Deutschland allein habe von Mendelssohn und Zunz über Geiger und Hirsch bis zu Buber und Baeck das Judentum „sagbar" gemacht, die Werte der Tradition in der Münze der Zeitbildung ausgeprägt. Damit werden Juden aus Deutschland in aller Welt die Träger des Lehrhausgedankens sein, und die Lehre, die ja überall ihren Sitz aufschlagen kann, geht aus von — Frankfurt am Main und von Frankfurt an der Oder. Das ist längst nicht so absurd, wie es klingt, und selbst wenn es absurd wäre, so hätte man es mit einem Glauben zu tun, der sich so gut rechtfertigen ließe wie mancher andere. Tatsächlich ist es so, daß das noch ungeschichtliche Judentum Amerikas ebenso wie „das hebräische Assimilantentum" Palästinas nach einem neuen jüdischen Mittelpunkt, aber keinem geographischen, sondern eben einem jüdischen, mit äußerster Dringlichkeit verlangen. In diesen Gedankengang eingebaut ist eine Kritik der „Bünde", der Chaluziut, des Kibbuzlebens als eines Hinausschreitens aus der Ahnen- und Enkelkette der jüdischen Legitimität, die der überlieferten religiösen Figur des Baal-habajit nicht entraten könne. „Der Weg der Ideologie von der Partei zum Bund ist der Weg der Verwandlung der Idee in den Mythos." Der „Jahrgängeverband" des Jugendbundes, das „Mittlertum" des Jugendführers haben „echte Affinität zum Religiösen" — aber nicht zum jüdischen. Das sprüht nur so. Und wer die religiöse Problematik Palästinas selbst erfahren hat, der freut sich, wenn er liest: „Der Oneg-Schabbat, mit dem jeder machen kann, was er will und der mit Volkslied und Weltanschauungsvortrag den Sabbat aufhebt und nicht weiht, ist nur ein Ausweichen vor dem, was not ist: das vom jüdischen Kalender geordnete Jahr in seinem von Sabbat zu Sabbat, von Feiertag zu Feiertag ablaufenden Rhythmus macht den Kibbuz jüdisch". Danach sollte man meinen, daß man in der Gruppe auch „jüdisch" leben könne, wenn man nur wolle; aber an benachbarter Stelle spricht Maybaum dem „Gemeinschaftsmahl des Frühchristentums" jede ins Jüdische zurückführende Chance ab. So bleibt die Frage offen: wenn Bund und Kibbuz sozialökonomisch zugegebenermaßen notwendig, aber jüdisch von ihren Grundlagen her illegitim sind, wo liegt die jüdische Zukunft einer ganzen Generation? Was heißt „Gemeindejugend"? Heißt es Lerngemeinschaft? Das wäre die Verbindung des Volksgedankens mit der Lehrhausidee, eine höchst fruchtbare Verbindung, wie man hoffen darf. Aber nicht der Rezensent auf seinen armseligen zwei Seiten, sondern der Autor muß sie herbeiführen. Die unvollkommene Jugend aller Generationen läßt sich gern kritisch ansprechen, aber sie erwartet als nächstes Buch eine einfache Anweisung, wie mans machen soll. Werner Cahnmann 422

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