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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 396

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Thesen zur Wanderungsfrage
Date
1936-12-01
Page
396 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Eduard Strauß Venezolanern in den Siedlungen enthält. Aber andere landreiche Staaten stellen derartige Bedingungen auch heute nicht, und die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die scharf nationalistischen und assimilatorischen Tendenzen in der Einwanderungspolitik im allgemeinen wieder von einer liberaleren Einstellung abgelöst werden. Denn der Kreis der Völker, die überhaupt noch in nennenswertem Umfang für eine Auswanderung in den nächsten Jahrzehnten in Frage kommen, wird immer kleiner infolge des Geburtenrückganges in ganz Nord- und Westeuropa und des Interesses der europäischen Staaten, eine schon stagnierende Bevölkerung nicht noch durch Abwanderung vermindern zu lassen. Da aber viele Staaten heute noch über gewaltige Flächen unerschlossenen Landes verfügen, spricht sozusagen die „statistische Marktlage" durchaus dafür, daß in Übersee die Zeit bald wiederkehren wird, wo man die Siedler mit weitgehenden Privilegien und Selbständigkeitsrechten ins Land rufen wird, wie es einst in Osteuropa geschah. Freilich liegt es auf der Hand, daß auch eine bewußt jüdische Wanderungs- und Siedlungspolitik gewisse Konzessionen in der Frage der Assimilation wird machen müssen, sofern sie eben auf ersprießliche Zusammenarbeit mit dem Einwanderungsstaat rechnen will. Hier die richtige Grenze zu ziehen, herauszufinden, wie weit man darauf Wert legen muß, das jüdische Eigenleben zu entwickeln, und wie weit man vor allem in Äußerlichkeiten Kompromisse eingehen darf, — das sind, neben der Wahl des Landes oder der Länder, in denen eine solche Siedlungspolitik betrieben werden soll, die Fragen, die an der Schwelle einer konstruktiven jüdischen Wanderungs- und Siedlungspolitik liegen würden. Eduard Strauß: Das Lehrhaas Als Franz Rosenzweig im Frühjahr 1920 seine Wünsche zum jüdischen Bildungsproblem des Augenblicks, insbesondere zur Volkshochschulfrage unter dem Titel „Bildung und kein Ende" veröffentlichte und im Herbst desselben Jahres eine in Frankfurt a. M. bestehende, aber innerlich durchaus noch anders geartete Einrichtung in sein „Freies Jüdisches Lehrhaus" umformte, da zeigte das Werk sogleich das Wahrzeichen dieses Menschen: die Einheit des geistigen Willens, das Durchdrungensein jeder Arbeits- und Lebensstunde von der richtunggebenden Kraft des 396

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