Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 8 (November 1936)
- Article
- Witakocha entdeckt Amerika
- Date
- 1936-11-01
- Page
- 379 (sequence 1)
- Language
- German
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Witakocha entdeckt Amerika In einem in der New Yorker „World" erschienenen Aufsatz stellt der amerikanische Historiker Hyatt Warell, der sich seit 40 Jahren mit dem Studium der Frühgeschichte Amerikas befaßt, die Theorie auf, daß als erster Europäer, vor etwa 3000 Jahren, ein Jude amerikanisches Festland betreten und dort unter den Ureinwohnern eine bedeutende Rolle gespielt habe. Die drei bedeutendsten Kulturvölker unter der amerikanischen Ureinwohnerschaft sind die Majas in Zentralamerika, die Azteken in Mexiko und die Inkas in Peru. Alle drei Völker haben einen reichen Schatz an Überlieferungen, Legenden und Mythen hinterlassen, bei deren Untersuchung Hyatt Warell eine merkwürdige Übereinstimmung festgestellt hat. Denn alle diese Legenden berichten, daß aus dem Osten, aus einem Land jenseits des großen Wassers, ein Gott zu diesen Völkern gekommen sei mit hellerer Hautfarbe und schwarzem Bart, einer in Uramerika ebenso ungewöhnlichen Erscheinung. Dieser Fremde, dem sie göttliche Verehrung erwiesen, lehrte sie die Kunst, Häuser zu errichten und Tongefäße zu formen und brachte ihnen verschiedene Handwerke des damaligen Mittelmeer-Kulturkreises bei. Dazu aber veranlaßte er eine bedeutende Änderung ihrer religiösen Anschauungen und Riten. Alle drei Völker berichten aus etwa derselben Zeit, daß dieser Mann, der die Rolle eines Gottes spielte, plötzlich wieder verschwunden sei; er habe ihnen jedoch die Versicherung gegeben, daß er selbst oder seine Nachkommen zu ihnen zurückkehren würden. Der Name, den man dem „Gotte" gab, ist je nach der Sprache verschieden: die Majas nannten ihn Kukulan, die Azteken Quezakotl, die Inkas Witakocha. Aber die zahllosen Bildnisse, die man auf Monumenten, Gefäßen, Zeichnungen von ihm fand, stimmen völlig überein mit dem Bild, das die Legende von ihm entwirft. In allen drei Kulturkreisen wird der „Gott" als typischer Jude dargestellt, wie er zu jener Zeit in Palästina zu sehen gewesen sein mag: mandelförmige Augen, lange gebogene Nase, dichter schwarzer Vollbart, schwarze, leicht gekräuselte Haare, die mit einer kleinen Kappe bedeckt waren. Für den Historiker Warell gibt es keinen Zweifel darüber, daß dieser Mann tatsächlich gelebt und unter den Ureinwohnern Amerikas gewirkt habe. Bekanntlich sind die Inka-Skulpturen der Frühzeit sehr realistisch und geben nur Tatsächliches wieder. „Witakocha" dürfte also von den zeitgenössischen Inka- Künstlern nach dem Leben dargestellt worden sein; freilich wird auf späteren Bildwerken der Typ immer verschwommener und unwirklicher, ein Beweis dafür, daß Bildhauer und Maler nicht mehr nach dem lebendigen Modell schufen. Für ebenso sicher hält es Warell, daß dieser Mann kein Eingeborener Amerikas gewesen sein kann. Sein Rassentyp gleicht keinem der bekannten amerikanischen Typen auch nur im mindesten, und von jedem Vergleich mit Darstellungen der damaligen Ureinwohner sticht das Bild 379