Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 8 (November 1936)
- Article
- Presseschau: Bild einer Generation / F. F.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- 376 (sequence 2)
- Language
- German
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paganda, sondern die Tat wählte, wenn sie Berufsarbeit zum politischen Dienst erklärte, so in dem Bewußtsein, daß mit der Mobilisierung aller schöpferischen Leistungskräfte in der jungen Generation eine ganz andere Ebene der Erfüllung sozialen Rechtes und der Schaffung sozialpolitischer Voraussetzungen ge- Aus einem „. . . wollte ich wenigstens auch eine Berliner Synagoge besuchen. Man wies mir eine, aber ich fand keinen Einlaß, obwohl ich zum Beginn des feiertäglichen Gottesdienstes gekommen war. Da muß man sich lange vorher eine Eintrittskarte gekauft haben, versicherte mir der strenge Herr an der Tür, der eigens dazu bestellt war, niemanden ohne Karte einzulassen. Ich hätte mir gern eine gekauft, aber das ist ja am Feiertag nicht erlaubt. Ich war in heilloser Stimmung und fragte mich nur, was denn die armen Juden machen. Müssen sie am Jörn Kippur zu Haus bleiben? Ich irrte an der Synagoge herum, als gegen Mittag ein mit Smoking und Zylinder bekleideter Herr sie verließ. Bevor er in sein Auto steigen konnte, das eben vor fuhr, sprach ich ihn an, sagte, ich wäre ein Fremder und bat ihn, da er offenbar nicht mehr zu beten wünsche, mir seine Eintrittskarte zu geben. Es sei nicht möglich, antwortete er verbindlich, da er nur rasch nach Hause fahren wolle, um Mittag zu essen und im Büro nach der Post zu sehen. Dann werde er wiederkommen und, falls er mir die Karte gäbe, selbst keinen Einlaß finden. So hatte ich geben sein würde, als sie in den Vergangenheiten jemals denkbar gewesen wäre. Die praktische Einsatzbereitschaft im allgemeinen und der berufliche Leistungswille im besonderen, den die Jugend bewiesen hat, sind die besten Grundlagen der sozialpolitischen Neuordnung." F. F. Reisebericht weiter Muße nachzudenken, warum die sonst so findigen Juden in Deutschland noch keine Möglichkeit gefunden haben, um wenigstens im Synagogen-Besuch einen Ausgleich zu schaffen zwischen denen, die am Jörn Kippur im Auto zum Mittagessen fahren und denen, die auch an gewöhnlichen Tagen manchmal kein Mittagessen haben. Aber man erklärte mir, daß die Berliner Synagogen an den hohen Feiertagen nicht ausreichen: wenn alle hineingehen, dann gehen nicht alle hinein, aber wenn nicht alle hineingehen, wie an den restlichen Tagen des Jahres, dann gehen alle hinein. Mit dem jüdischen Theater fand ich diejenigen seiner ständigen Abonnenten und seiner ständigen Nichtabonnenten, die ich sprach, leidlich unzufrieden. Den einen war es zu jüdisch, was sie sich nicht anquälen wollten, den andern zu unjüdisch, was sie sich glücklich abgequält hätten, den einen zu hoch, den andern zu tief, und wenn man entweder etwas absolut Jüdisches und zugleich Niveaugipfliges finden könnte, etwa ein Mosesdrama ä la Hamlet mit Penthesilea kombiniert, oder etwas recht Lustiges und Theaterfestes, notfalls mit einem numerus clausus von Jüdischkeit ge- 376