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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 375

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Presseschau: Bild einer Generation / F. F.
Date
1936-11-01
Page
375 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Bild einer Generation Die Darstellung der Entwicklung der jüdischen Jugend, die das vorliegende Heft enthält, lenkt den Blick auf die Lage der Jugend anderer Völker. In einem Aufsatz „Die Notlage der französischen Jugend" (Europäische Revue, 12. Jahrg., Nr. 10) führt Charles Pomare t aus: „Die französische Jugend ist voll leidenschaftlicher Tatkraft, sie ist gesund, sportlich und innerlich lebendig. Was auch immer allzu oberflächliche Beobachter von ihr sagen mögen, sie ist erfüllt von einem sehr tiefen Nationalgefühl; aber sie ist nicht glücklich, denn der Weg ins Leben ist ihr verstellt. Die Arbeitslosigkeit trifft sie besonders schwer. Vor allem die intellektuelle Jugend, die Jugend der Universitäten mit all ihren Diplomen, die sie für Kreditbriefe hält, welche auf den Namen der Kollektivität lauten, steht — nach dem sinnfälligen Wort des Präsidenten Herriot — händeringend vor den verschlossenen Türen der Behörden. Sie ist in ihrer Hoffnung müde geworden, da sie schon allzu lange jene Qual der Hoffnung ertragen hat, von der Villiers de l'Isle-Adam einst sprach. Diese Not der Jugend ist ja nicht Frankreich allein eigentümlich. Alle Länder haben sie erlebt oder erleben sie noch. Die gleichen Ursachen haben überall das gleiche Übel zur Folge gehabt. Die Entwicklung des mechanischen und technischen Fortschritts, die Verbreitung des Wissens, die Zulassung einer immer größeren Zahl zu den Vorteilen dieses Wissens, Deflations- und Sparpolitik haben die Zahl der Bewerber um Stellungen gesteigert oder die Zahl dieser Stellungen vermindert. Darin bestand der dreifache tragische Preis der Wissenschaft, des Wissens und der Einsparungen. In Frankreich hat der Effektivbestand der studentischen Jugend dauernd zugenommen, während gleichzeitig die Einstellung neuer Kräfte seitens der Verwaltung zum Stillstand kam oder doch geringer wurde, und während die Wirtschaftskrise die Zahl der unterzubringenden technischen Fachkräfte und Angestellten empfindlich beschränkte." Über die innere Beschaffenheit der deutschen Jugend berichtet Albert Müller in einem Aufsatz „Die Jugend in der Sozialentwicklung" (Volk im Werden, 4. Jahrg., Nr. 10): „Unter dem Grundsatz der Selbstführung hat die Jugend eine Sozialarbeit ins Leben gerufen, die ausschließlich Ertüchtigungsarbeit darstellt. Die Erziehung zur Leistung für die Gemeinschaft gründet sich auf keine ministerielle Verfügung oder behördliche Anweisung, sondern geht auf die schöpferische Initiative der Jugend selbst zurück. Die Jugend ist auf dem besten Wege, alle Möglichkeiten ihres sozialen Einsatzes auszubauen. Sie ist nicht den Weg der sozialpolitischen Entschließungen und Schutzprogramme, sondern den Weg der Leistung gegangen. Nicht etwa weil sie an der Reformbedürftigkeit der sozialen Verhältnisse zweifelte. Sie hätte genügend Recht und Anlaß gehabt, zunächst Forderungen zu stellen und Wünsche anzubringen. Wenn sie trotzdem nicht die Pro- 375

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