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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 372

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Wertbetonte Geschichte [Rezension]
Date
1936-11-01
Page
372 (sequence 2)
Language
German
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Fritz Aronstein Erhebung vermitteln, die das Beste ist, was die Beschäftigung mit der Geschichte zu geben vermag. Aber als Musterbeispiel eines historischen Verkruslungs- und Erstarrungsprozesses ist die Entstehungsgeschichte des Judentums überaus lehrreich. . (S. 7.) Möhlenbrink sieht im Judentum nur einen kleinsten unwesentlichen Teil der vielen Einzelvölker des allen Orients. „Innere Erhebung", die jeder Historiker bei seinem Stoffe findet oder zu finden glaubt, sucht er erst gar nicht, und so geht er mit einer von vornherein negativen Einslellung an den Stoff heran. Darüber hinaus gibt der ..praktische Wert", den er von seinen Erkenntnissen erhofft, der Untersuchung eine Richtung, die der Animosität des Ausgangspunktes entspricht. Für uns ist das Werden des Judentums nicht ein Stück alter Geschichte; es ist der Abschnitt der Wellentwicklung, in dem wir begründet und dessen Kämpfe und Bewegungen für uns sehr real sind. Wenn wir heutigen Juden uns — nicht nur in der Sedernacht — betrachten, als wären wir selbst aus Ägypten gezogen, dann kann unsere Stellung zu einem von entgegengesetzter Haltung ausgehenden Buche nicht zustimmend sein. Unter „Juden" versteht Möhlenbrink nur die „nachexilische Gemeinde des jerusalemischen Kirchenstaates" (S. 9), die von den „Israeliten und Judäern" der beiden palästinensischen Staaten verschieden ist und diese nur als Vorstufe zu betrachten hat. Die Entwicklung der Einwohnerschaft Palästinas zeige eine ungeheure Mischung verschiedener Rassen („reine Rasse gibt es ja nur als Begriff, nicht in der Erfahrungswelt" S. 10); neben lang eingesessenen Semiten finden sich schon um 1800 v. Arier. Obwohl „die Hyksos keine national oder rassisch einheitliche Bewegung waren" (S. i3), so glaubt Möhlenbrink doch, auch in ihnen arische Elemente finden zu können. Palästina und seine Geschichte rückt so „mehr an das Ende als an den Anfang der Geschichte des alten Orients" (S. i5) und bleibt ständig unter dem Einflüsse der Nachbarvölker. Die Behauptung, daß sich dank den verschiedenen Einwanderungswellen und den einander entgegenwirkenden Einflüssen keine eigenständige Kultur habe entwickeln können, ist jedoch übertrieben zu nennen. Die zwischen den großen Philislerschlachten — die letzte war um 1000 v. — und dem Zerfall des jüdischen Reiches um 600 liegenden Jahrhunderte haben eine neue Kultur hervorgebracht, die in der Folge nicht ohne Wirkung blieb, wenngleich ihr politischer Erfolg versagt war. (Es wird hierbei vorausgesetzt, daß die meisten der biblischen Stellen, die Möhlenbrink ohne Beweis als spät ansetzt, früh sind, wie sie selbst sich darstellen. Ein Grund, anderer Auffassung zu sein, besteht nicht; und bis dahin glauben wir dem Text und machen ihn zur Grundlage unserer Schlüsse.) Die Wirkung des jüdischen Volkes und seiner Kultur lag nie auf politischem Gebiet: hier kann der vorexilische kleine israelitisch-judäische Staat nicht mit den Weltreichen des alten Orients zusammen genannt werden. — Bei der Frage nach der politischen Wirkung ergibt sich die nach dem Verhältnis von „Volk und Staat". Da Möhlenbrink keine Definition seines Volksbegriffes gibt, es also auch nicht deutlich wird, was „völkisches Denken" (S. 18) in jener Zeit heißt, so ist eine Auseinandersetzung über diese Fragen nicht eindeutig. Das nationale Bewußtsein fällt bei den Juden — wir benutzen diese Bezeichnung auch für die vorexilische Zeit — weitgehend mit der religiösen Gemeinschaft zusammen. Man kann nicht die 372

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