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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 371

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Zum Einheitscharakter des Jesajabuches
Date
1936-11-01
Page
371 (sequence 3)
Language
German
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Frilz Aronstein: Wertbetonle Geschichte der Rest kehrt heim. Das einst Verheißene, nun ist es da: „Das Frühre, hier ists gekommen" (42, 9). Jetzt wird die versiegelte Urkunde aufgetan. Zugleich aber wird eine neue Verheißung im Geheimnis empfangen und nur in der Andeutung erschlossen („Neues meld ich nun an"): das Leidensgeheimnis des Gottesknechts, der den Weltstämmen zum Licht (49, 6) und zur Heilung (53, 5) gegeben wird, damit Gottes Freiheit werde bis an den Rand des Erdreichs (49, 6). Geschlecht um Geschlecht muß der Knecht wiederkehren, durch viele „Tode" (53, 9) muß er gehen, bis sein Werk vollbracht ist. Dann aber bedarf es keines Lehrlingtums bei Menschen mehr, dann gibt es keine Scheidung mehr in Lehrende und Lernende, dann ist alles Volk Gottes zu Kündern, dann sind (54, 13) „all deine Söhne" zu Gotteslehrlingen Cn "-na1?) geworden. So haben denn die Männer, welche die Worte Jesajas und die seines nachgeborenen namenlosen Schülers, der anscheinend selber namenlos hat bleiben und nur als ein Limmud Jesajas hat fortleben wollen, zu einem Buch vereinigten, einer großen geistesgeschichtlichen Wirklichkeit für alle Zeit den abschließenden Ausdruck verliehen. Wertbetonte Geschichte Kurt Möhlenbrink: Die Entstehung des Judentums. Versuch einer Darstellung und Wertung alt palästinensischer Religionsgeschichte. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1936. Man kann bei einer Betrachtung des Judentums — ebenso wie bei der eines jeden anderen lebenden Organismus — zwei grundsätzlich verschiedene Ausgangspunkte einnehmen. Für den einen ist das Judentum bloßer Gegenstand der Untersuchung, der durch seine Entwicklung und seine — positive oder negative — Bedeutung in der Geschichte der Völker das Interesse des Wissenschaftlers beansprucht; dem anderen aber ist es die Vergangenheit und Gegenwart der eigenen Lebensgemeinschaft, mit der er sich in ihren verschiedenen Erscheinungsformen verbunden fühlt. Die Blickrichtung des Historikers wird somit bei aller erstrebten Objektivität stets von dieser Grundhaltung bestimmt sein, und eine eindeutige — nur den Erscheinungen zugewandte — Objektivität ist fast unmöglich. Für Möhlenbrink, den Verfasser einer neuen Studie über die Entstehung des Judentums, ist das Werden des Judentums „ein Stück alter Geschichte": „Zwar ist es ein Abschnitt der Weltgeschichte, der wenig geeignet ist, besondere Teilnahme zu wecken; und noen weniger kann er die innere 371

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