Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 8 (November 1936)
- Article
- Zwei Sonette
- Date
- 1936-11-01
- Page
- 366 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Manfred Sturmann: Zwei SöUette I. Deine Nähe ist die Furt durchs Meer Meiner Wehmut, die mich stumm bedroht. Immer, wenn der Born des Mutes leer, Ist dein Zuspruch Tilger meiner Not. Wenn ein Flammengürtel mich umloht Und die Träume von den Fiebern schwer, Ist dein Wort den Ängsten Hemmnis und Gebot, So als schritten Engel um mich her. Deine Nähe hält den Abgrund fern, Bist du nahe, blüht die Freude auf, Und es ist ein neuer heller Stern Aufgegangen über meinem Haupt, Und ich rüste mich zu neuem Lauf, Wie der Baum im Lenz sich neu belaubt. Jean Paul Friedrich Richter: Bemerkungen über den Menschen Die Jean Paul - Gesamtausgabe der Preußischen Akademie (Verlag Hermann Böhlaus Nachf., Weimar) beginnt in dem soeben erscheinenden 5. Nachlaßband mit der Veröffentlichung der Aphorismenschätze des Dichters, von denen nur ein kleiner Teil bekannt war. Wir entnehmen dem Bande die folgenden Proben: Der Wirt ist stets aufrichtiger als der Gast. An andern liebt man Vollkommenheiten, an sich — sich. Gegen niemand ist Demut so schwer als gegen einen, von dem man weiß, daß er uns hasset. Jeder Irrtum und jede Wahrheit kommen aus dem Meere der Zeiten wieder herauf: keine geht unter, in jedem Jahrhundert finden beide ihre Verteidiger. So wenig ein Volk einem andern Volk Gesetze geben kann, so wenig die Mitwelt der Nachwelt. Die gewöhnlichen Menschen hassen nichts so sehr an andern als Einsamkeit. Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen. 366