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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 353

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Vom Werden einer Generation
Date
1936-11-01
Page
353 (sequence 5)
Language
German
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Vom. Werden einer Generation um und gingen in die Sozialarbeit. Als Einzelne sollten sie dort Erfüllung finden; aber dem Gesamtproblem einer neuen Berufsethik gegenüber bedeutete es keine Lösung, sondern ein Ausweichen. Für eine andere Schicht, die noch die Schule besuchte oder in den ersten Semestern studierte, war das Berufsproblem noch nicht dringlich. Der Erziehungs-Bund Mit dem Nachrücken der Jüngeren wurde die etwas gefühlsselige Jugendgemeinschaft durch den straffen, spartanisch ausgerichteten Erziehungs-Bund abgelöst. Das Zusammenleben der Gleichaltrigen trat zurück im Vergleich zum „Vorlieben gegenüber den Jüngeren. Diejenigen Älteren, die sich auf diese Erziehungsarbeit nicht umstellen wollten oder konnten, trennten sich vom Bund. Eine Lösung der Älterenfrage im Sinne einer gemeinsamen Aktivität gelang ihnen ebensowenig wie den meisten anderen Generationen der Jugendbewegung. Aber sie blieben menschlich in Verbindung miteinander, und viele von ihnen fanden Einsatzpunkte, in denen sich ihre Vergangenheit im Bunde bewähren konnte. Die Erziehungsarbeit des Bundes steigerte das Verantwortungsgefühl des einzelnen Älteren, der nun nicht nur sich selbst, sondern auch dem Jüngeren gegenüber verantwortlich war. Die Grundlage des Gruppeniebens bildete das fruchtbare Spannungsverhältnis zwischen Führer und Gefährten. In Ablehnung jeder individualistischen Lebensauffassung, die man als selbstgenügsam, unethisch und verweichlichend in Bann tat, suchte man das Ideal des Kollektivismus, d. h. der Gesamtverantwortung in allen Äußerungen des täglichen Lebens, zu verwirklichen. Bücher wie Hans Paasches „Lukanga Mukara", worin die europäische Überzivilisation in Form des Reiseberichts eines Negers gegeißelt wird, das Fahrtenleben mit seiner robinsonartigen Einfachheit trugen zur Umformung des einzelnen Jüngeren bei. Zu Konflikten mit den Eltern kam es nicht selten, nicht nur wegen der zu starken zeitlichen Inanspruchnahme durch den Bund oder aus einer gewissen Erziehungskonkurrenz heraus, sondern vielfach auch wegen der abweichenden Erziehungsziele: die Eltern wünschten ihrem Sohn einen bequemen und erfolgreichen Aufstieg ins bürgerliche Leben, der Bund lehnte diese Werte als Scheinwerte ab und setzte andere an ihre Stelle. In diese fast allen Bünden gemeinsame Entwicklung spielten in unserem Sonderfall soziale Spannungen hinein. Aus zwei großstädtischen Gruppen setzte sich der Bund hauptsächlich zusammen: aus einer mittelbürgerlichen und einer kleinbürgerlichen. Auf diese Verschiedenheit reagierte die sozial tieferstehende Gruppe ungewollt, wenn auch nicht unbewußt, zuweilen mit Ressentiment. Das so entstehende latente Spannungsverhältnis 353

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