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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 339

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Eine Million zuviel
Date
1936-11-01
Page
339 (sequence 3)
Language
German
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Eine Million zuviel nicht aus, um alle Bewohner zu ernähren. Weite Schichten der Bevölkerung fielen der Verelendung anheim, am stärksten diejenigen, deren Widerstand gegen die übermächtige Gewalt der wirtschaftlichen Entwicklung der geringste war: die Minderheiten. Die Juden, deren soziale Struktur schon unter dem Zarenreich geradezu grotesk gegen die Umwelt abstach, wurden erst recht in das Gebiet der unproduktiven und damit wirtschaftlich besonders gefährdeten Berufe abgedrängt. Immer weitere Schichten der polnischen Juden mußten sich dem Handel zuwenden, jener allen Krisen am stärksten ausgesetzten wirtschaftlichen Funktion. Die Rolle des wirtschaftlichen Vermittlers, zu der der Jude in seiner Geschichte so oft gedrängt worden ist, war nicht nur unproduktiv, sie wurde mehr und mehr überflüssig. Das Eingreifen der Staatsgewalt in die Wirtschaftsmaschinerie, die Stärkung des kollektiven Gedankens, der in dem Überhandnehmen von Kooperativen und Verbrauchergenossenschaften seinen Ausdruck fand, das alles schränkte die Bedeutung der vermittelnden Wirtschaftstätigkeit ein und wirkte so auf die Juden zurück. Der Typ des kleinen Krämers, des Handelsmannes, ja endlich des berufslosen „Luftmenschen", der heute dies und morgen das treiben muß, um sich über Wasser zu halten, nahm überhand. Nur ein kleiner Sektor der polnischen Judenheit behielt sein wirtschaftliches Schwergewicht: ganze 10—15<y0 aller polnischen Juden leben in geordneten Verhältnissen. Grauenhaftes Massenelend erwuchs und erdrückte jede wirtschaftliche Entfaltung, nicht nur der polnischen Judenheit, sondern endlich auch Polens. Es ist ein Minderheitenschicksal, das sich hier an den Juden vollzieht. Weil die Juden Minderheit sind, werden sie im Strudel wirtschaftlichen Niederganges zuerst hinabgerissen; weil sie Minderheit sind, erscheint das gemeinsame politisch-ökonomische Schicksal des polnischen Volkes, das an ihnen nur seinen deutlichsten Ausdruck findet, als ein eigenes jüdisches Problem. Durch eine Kette psychologischer Rückschlüsse wird die Judenfrage so zum Mittelpunkt des Strebens nach wirtschaftlicher 339

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