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Der Morgen · 1936-10-01 · Heft 7 (Oktober 1936) · p. 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 7 (Oktober 1936)
Article
Zu Disraelis "Tancred" [Rezension]
Date
1936-10-01
Page
329 (sequence 3)
Language
German
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Es erfüllt Disraeli mit Stolz, daß der volkstümlichste Dichter Englands nicht Byron oder Shakespeare sei, sondern der „sanfte Sänger Israels": „Kein Volk hat seit den Tagen, da jedermann friedlich unter seinem Feigenbaum hauste, so oft Davids Oden besungen wie das Großbritanniens." Aber für jene Art der Assimilation, in der man „durch gute Kleider und Manieren in Gesellschaft erscheinen könne, ohne aufzufallen", hat er mit Recht nur die spöttische Bemerkung übrig: „Höhepunkt des Glücks für das bevorzugte Volk des Schöpfers des Weltalls!" Gerade unsere Tage legen es nahe, das Porträt Disraelis neben das seines älteren englischen Zeit- und Stammesgenossen zu halten, der ihn überlebte: MosesMontefiore. Wahrscheinlich haben die beiden einander nie gesehen, Montefiore, der als betonter Jude früher zu Ämtern und Ehren kam als Disraeli, und der spätere Earl of Beaconsfield, dessen Weg höher und sichtbarer hinaufführte; bescheiden und zurückhaltend der eine, der andere auffällig und sich vordrängend und — ein englischer Gentleman, als er am Ziel war. Montefiore, ein Schtadlan, der aller Judennot zu steuern suchte, in seinem Vaterlande und in der Welt, hatte mit den Großen zu tun, die Disraelis Weg kreuzten: Lord Palmerston lehnte es in der Damaskus-Affäre nicht ab, sich in die Angelegenheit eines fremden Staates einzumischen, als die angesehensten Christen Londons an die Humanität appellierten, und sagte Montefiore diplomatische Schritte zu, John Russell wurde auf Montefiores Bitte gegen die rumänischen Ausschreitungen vorstellig, und Disraelis großer Gegner Gladstone half als Oberkommissar der Jonischen Inseln das Befriedungswerk zwischen Griechen und Juden vollenden. Montefiores jüdische Politik war die Philanthropie, Disraelis ging in der allgemeinen auf. Beide hatten im neunzehnten Jahrhundert mit ihren Mitteln Erfolg. Welcher Typus wird im zwanzigsten zu einer konstruktiven Lösung führen? Eine Synthese aus beiden? Oder wie hat der Gestaltwandel jüdischen Führertums die Typen verändert? Über diese Frage nachzudenken, ist nicht die unwichtigste Anregung, welche die Lektüre des „Tancred" dem Leser gibt. Lutz Weltmann Professor Dr. H. Torczyner bittet uns um Aufnahme der folgenden Erklärung: In der vorletzten Nummer des „Morgen" bespricht Ludwig Feuchtwanger den dritten Band der von mir herausgegebenen Bibelübersetzung. Dabei setzt er Einzelheiten der Textauffassung, der Wiedergabe und Anordnung auf das Konto des ersten Übersetzers, der die Vorarbeit für die Übertragung geliefert hat. Wie jedoch im Vorwort der Übersetzung ausdrücklich angegeben ist, ist das Werk in allen Punkten von mir vollständig neu bearbeitet worden. Sowohl die poetische Form z. B. des Jesaiabuches, jede einzelne neue Auffassung irgend einer Stelle in der gesamten Bibel, jede neue Wortschöpfung und alle Einzelheiten der Textanordnung sind mein ausschließliches geistiges Eigentum. 329

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