Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1936)
- Article
- Politik im Judentum
- Date
- 1936-10-01
- Page
- 289 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / Monatsschrift der iuden in Deutschland BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN. DARMSTÄDT 12. JAHRGANG OKTOBER 1936 HEFT 7 Politik im Judentum Wir stehen am Ende der Festtagsreihe des Jahres. Die Stunden der Besinnung, mit denen sie uns in rascher Folge beschenkte, standen in auffälligem Gegensatz zu dem Getriebe des sonstigen jüdischen Lebens, so wie es sich gestaltet hat. In das Gewirr einander übertönender Stimmen, die von Notstand und Wanderung künden, von Existenzkampf und dringendster Hilfeleistung, ist der Rhythmus der Feiertage eingebrochen mit seiner heiligen Musik. Zwar bildeten sie nicht mehr wie einst in den Jahren, von denen uns Jahrhunderte zu trennen scheinen, ob sie auch noch so kurze Zeit erst hinter uns liegen, das einzige Band, das uns noch jüdisch einte. Unser Leben von heute ist von Jüdischem-Allzujüdischem erfüllt bis zum Rande — es braucht nicht mehr den Synagogenbesuch, um sich äußerlich zu bekennen. Und doch ist auch heute noch oder heute wieder der Sammlung im Gotteshaus über das nur Religiöse hinaus wichtigste Bedeutung gegeben. Wir Juden sind eine sehr moderne Gemeinschaft geworden. Wir haben unsere Presse und unsere Bürokratie, unsere Kultur mit und ohne Gänsefüßchen, unsere Wirtschaft und unsere Politik. Die Zeit, in deren Zeichen alle diese Errungenschaften uns zuteil wurden, war uns nicht günstig, und es ist daher nicht zu verwundern, daß auch die Gaben selbst den Stempel der Ungunst auf sich tragen. Gleichwohl: wir haben sie mit Anstand hinzunehmen und mit Würde zu verwalten. Mag es unser noch so heißer Wunsch sein, daß auch nur ein Teil all der 289