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Der Morgen · 1936-09-01 · Heft 6 (September 1936) · p. 275

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 6 (September 1936)
Article
Kritik an Franz Werfel
Date
1936-09-01
Page
275 (sequence 3)
Language
German
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Kritik an Franz Werfet auf, und aus ihrem Mund, der wie eine Knospe war, ergoß sich sprühendes Leben." Dies sieht zu lesen auf den Seiten 48 und 4<), möchten wir bemerken, damit es nachgeprüft werden kann, als eine Probe nur für viele andere ähnliche, ja gröbere Stellen. Denn schon dieses Zitat dürfte genügen, um erkennen zu lassen, wo ungefähr das Buch einzuordnen ist. Die charakterisierenden Dialoge sind durchweg von gleicher geistiger Primitivität. Der Zionismus etwa wird, schnell, wie folgt behandelt: „Madame Schmulewilsch fragte Herrn Kaplan, ob er schon das Neueste wisse, das sich bei den Zionislen im Ausland ereignet habe. Gewiß! sagte Herr Kaplan und berichtete. ,In den englischen politischen Kreisen beschäftigt man sich sehr stark damit. Max Nordau ist ein ganz genialer Kopf! Er schrieb: ,Ich trage mein Judentum als Schmuck auf meinem Herzen!' Einige Frauen verwechselten immer den Bart Herzls mit dem Max Nordaus und meinten: ,Was für einen herrlichen Bart er doch hat!' " So wird der Zionismus „erschöpfend'" behandelt. Levin will offensichtlich ein Sittenbild vor allem des saturierten jüdischen Großbürgertums in Rußland aus der Zeit kurz vor dem Krieg geben als Folie für das Leben seines „Helden". Aber sein Ziel erreicht er an keiner Stelle; und man kann nicht einmal an kleinere russische Vorbilder von einst, wie etwa Arzibaschew, erinnern, um ein ungefähres Bild zu geben: an verehrte Namen jüdischer Autoren darf man dabei gar nicht denken. Es ist versucht worden, mit spärlichen, doch bezeichnenden Beispielen die Ablehnung zu begründen, und auch das nur aus Gewissenhaftigkeit und um die Beurteilung einem Manne wie Franz Werfel gegenüber zu rechtfertigen. Zahlreiche andere Stellen wären anzuführen, die das Buch noch besser charakterisieren, vor allem zwingen würden, es noch niedriger einzuordnen, noch deutlicher zu werden, als es bis jetzt geschehen ist. Rücksichten des Geschmackes verboten es ebenso wie Raummangel. Doch muß einiges noch zur sprachlichen Form des Romans gesagt werden. Er wurde aus dem Jiddischen von einer Dame ins Hochdeutsche übertragen. Diese Nachgestaltung entspricht durchaus dem, was über das Stoff liehe Wesen gesagt werden mußte; es ist niedriges Papierdeutsch, grammatisch oft falsch und im Ganzen ohne inneren Klang. Wir glauben freilich nicht, daß sie dem Urtext Unrecht tue, den wir nicht kennen; denn unmöglich kann der, nach allem, über den Inhalt sich erheben. Unbegreiflich, wie Franz Werfel dazu ein Vorwort, und dieses gar, schreiben konnte; fatal, daß ein Verlag, von dem wir Gutes gewohnt sind, es herausbrachte. Und dieses muß noch grundsätzlich gesagt werden: es schien uns notwendig, uns so an den Dichter Franz Werfel zu wenden, weil wir es für nötig halten, einmal darzulegen, wie schwer wir es in unserem eng gewordenen Kreis haben, das Niveau des künstlerischen Schaffens einigermaßen zu halten, und daß wir es uns darum nicht gestatten können, uns auch noch von draußen Minderwertiges bieten zu lassen. Wir denken an ihn und an sein Wort: vates! Jakob Picard 275

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