Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Aus der Umwelt der Bibel
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 271 (sequence 2)
- Language
- German
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Aus der Umwelt der Bibel wehrhaften Mauern, mit der glänzenden Prozessionsstraße für Marduk, den gefürchteten Gott der Stadt Babylon, und mit jenem großartigen Doppeltor, der Ischtar geweiht, der angebeteten Göttin des fruchtbaren Lebens, dessen leuchtende Tierreliefs das Museum bewahrt. Aus den Schuttgebirgen Mesopotamiens geborgen, nach 2500 Jahren der Vergessenheit, hat kluge und geduldige Forscherhand die Spuren der babylonischen Ziegelbaukunst in ihren leuchtenden feuergehärteten Farben wieder aufgebaut. In diesem Museum wird das Wort Wirklichkeit, das an einem der Bauten NebukadnezarsII. als Inschrift angebracht war: „Zum Staunen der Völker!" Die herrliche Prozessionsstraße war der mauerumkränzte, zinnengekrönte Zugang zur Burg des Königs. Heute versucht ein Gemälde die Front jenes Thronsales darzustellen, in dem einstens die wunderbare Schrift an der Wand erschien, jenes Menetekel, das Daniel gedeutet hat. Ein kleines Relief zeigt den König auf seinem zweirädrigen Streitwagen mit vier Pferden, den Wagenlenker vor sich, auf der Löwenjagd. Und dann ist der Turm von Babel hier zu sehen, — wenigstens im Modell. Undurchdringliches Dunkel lagerte lange über der Geschichte dieses Babelturmes, der, nach dem Zeugnis der Bibel von Noahs Nachkommen als weithin sichtbares Zeichen der Versammlung begonnen, aber durch Verwirrung der Sprache der Bauenden, die babylonische Sprachverwirrung, in der Vollendung gehemmt wurde. Die wissenschaftlichen Ergebnisse vermögen nun den Schleier, den die Legende gewoben, zu zerreißen; sie bezeugen, daß tatsächlich jede größere Babylonische Stadt einen solchen Turm besaß, zu religiösen, astronomischen und militärischen Zwecken. Wie sich in biblischer Vorzeit die verschiedenen Anlagen von Babylon am Ufer des Euphrat um die „Zikkurät Etemenanki" gruppierten, zeigt farbig abgetönt ein großes hölzernes Modell. Der Gesetzeskodex des Königs Hammurabi von Babylon (2100 v.) ist im Gipsabguß zu sehen. Dieses Denkmal war in der nordbabylonischen Stadt Sippar, die in der Bibel genannt wird, aufgestellt und ist im 12. Jahrhundert nach Susa als Kriegsbeute gekommen. Der Text, in vielfacher Berührung mit dem Bundesbuch der Bibel, ist in rund 300 Paragraphen niedergelegt; der König rühmt von sich selbst: „Der Bedrückte, der eine Rechtssache hat, soll vor mein Bildnis als König der Gerechtigkeit kommen, die Inschrift lesen..., sein Recht soll er finden, sein Herz soll froh werden, (so daß er sagt), Hammurabi ist ein Herr, der wie ein Vater für seine Untertanen ist." Die Funde aus Warka, südlich von Bagdad, führen in die Heimat Abrahams. Es ist wenigstens denkbar, daß Stiftmosaiken aus runden Tonnägeln (aus dem vierten Jahrtausend) und Stücke aus einer Tempelfront mit dem uralten rautenförmigen Bandmuster noch ein Bild der Bauten aus seiner Zeit bewahren. Doppelköpfige Tonfiguren, Köpfe von Widdern und Stieren, Weihwassergefäße 271