Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Der Stein aus Garten Eden
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895552-2895559-2906395--09137-2906468- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Olga Bloch alles Gold, so viel und so schwer es auch war, konnte den Stein nicht um die Höhe des Schattens eines Schattens heben. Da staunte der König und fragte: Was bedeutet das? Doch1 Rabbi Papas ließ schweigend eine noch größere Waage bringen, häufte Lasten Goldes auf Lasten Goldes in die eine Schale und legte den Stein in die andere. Der Stein wog schwerer. Und aufs neue wunderte sich der König, und die Worte blieben ihm ungesprochen in dem geöffneten Munde. Der Greis aber legte den Stein in die Schale der kleinen Waage zurück, bedeckte ihn mit Staub — und siehe, alsbald hob ihn ein einziges Goldstück, ja, eine Flaumfeder wog ihn auf. Und Rabbi Papas erklärte und sprach: Dieser Stein, großer König, ein Ziel soll er deinem Ehrgeiz setzen. Das Auge des Menschen ist der Stein; nicht satt werden kann es von allem Gold der Welt, bis es vom Staube bedeckt ist. O König, König Alexander, bedenke, dieses Auge bist du. Da umarmte der König den Rabbi Papas, küßte ihn auf beide Wangen und schickte ihm reiche Gaben in sein Haus, und tat seinen Ehrgeiz ab von seiner Seele und entließ alle seine Krieger und lebte in Frieden bis an seinen Tod. oiga Bloch: Aas der Umwelt der Bibel Zur Neuordnung des Vorderasiatischen Museums Die Neuordnung und Erweiterung des Vorderasiatischen Teiles der Berliner Staatsmuseen verdeutlicht nun besser die verschiedenen Kunstrichtungen und kulturellen Äußerungen Mesopotamiens. Daß eine solche Sonderung aller mesopotamischen Kultursphären möglich geworden, gibt dieser Kunstsammlung der Reichshauptstadt schon unter dem Gesichtspunkt der Weltkunstgeschichte einen besonderen Rang. Für uns aber ist das Land zwischen Euphrat und Tigris das biblische Land. Seiner Ausdehnung nach entspricht es etwa dem heutigen Transjordanien; Ninive, Assyriens Hauptstadt, lag nahe bei Mossul, Babylon am Euphrat, etwa 70 km südlich von Bagdad; noch weiter südöstlich gegen den Persischen Golf zu lag Ur in Chaldäa, die Heimat Abrahams. Fast vier Jahrtausende vorderasiatischer Kultur sind nun zu übersehen. Die Kunst der Babylonier hat alle übrigen Kulturen Vorderasiens am sichtbarsten beeinflußt. Einen Abglanz dieser versunkenen, Jahrtausende zurückliegenden Kunst vermitteln Nebukadnezars (605—562) königliche Bauten. Es ist der Herrscher, der die Juden besiegte und in Gefangenschaft nach Babylon führte; er ließ die Königsburg erbauen mit Thronsälen und Tempeln, mit 270