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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Die Frauen und die Liebe [Rezension]
Date
1936-08-01
Page
239 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Die Frauen und die Liebe Marianne Weber war eine führende Persönlichkeit in der deutschen Frauenbewegung. Sie war die Gattin des genialen Sozialphilosophen Max Weber und hat seinem Andenken eine bedeutende Biographie gewidmet. Wenn von solcher Frau ein Buch erscheint, unter dem Titel „Die Frauen und die Liebe", so darf man wohl auf ein Werk von ernstester Bedeutung gefaßt sein. Und man wird durch die Lektüre des Buches, das der Verlag Langewiesche jetzt vorlegt, in dieser Erwartung nicht enttäuscht. Marianne Weber spricht wenig von den physischen Grundlagen des zentralen großen Lebensphänomens, um das es sich handelt; aber mit Betrachtungen dieser Art sind wir im Zeitalter der Psychoanalyse ja auch reichlich versorgt. Und wenn die Dinge, die sie von jenen großen seelischen Triebkräften zu sagen hat, die aus dem physischen Vorgang eine Kulturmacht gestalten, keineswegs immer originell sind, so ist das nur gut; denn der Schriftsteller hat eine höhere Pflicht, als „originell" zu sein, wenn er den Zeitgenossen große und fast vergessene Wahrheiten ins Gedächtnis rufen muß. Marianne Weber verweilt kaum bei der eigentlichen erotischen Erschütterung der Person, sondern bei der sozialen und kulturellen Folge, die das erotische Erlebnis zeitigt. Sie ist der Meinung, daß ein dauerndes Leben der Erotik nur durch ihre Hineinstellung in soziale Pflichten zuteil werden könne: „Befreiung der Geschlechterliebe von Bindungen und Aufgaben, die ihre Eigenkraft übergreifen, bedeutet nichts anderes als haltlose Hingabe an ihre Vergänglichkeit." Deshalb gibt Marianne Weber im zweiten und größeren Teil des Buches, der auf den ersten mehr theoretischen folgt, historische Beispiele zuerst und vor allem von ehelichen Verbindungen, die sich dem Vollkommenen genähert haben. Sie schildert die Ehe als Daseinserfüllung. Zunächst an dem sehr merkwürdigen Beispiel Wilhelm von Humboldts und seiner Frau Karoline. Hier bewahrte jeder der Ehepartner eine fast unbeschränkte Freiheit im Fühlen und Handeln, und doch bietet die Ehe das vollkommenste Werkzeug zur Arbeit an dem klassischen Ideal, menschliche Persönlichkeiten von höchstem Umfang auszubilden: „sein Schicksal zu vollenden und alles Menschliche auf seine Weise zu erschöpfen"—. Viel mehr als die Ehe dieser beiden Ausnahmemenschen nähert sich dem bürgerlichen Typus die Ehe, die Gabriele, die Tochter der beiden, mit Heinrich von Bülow führt. Hier herrscht unter Einwirkung des romantischen Einschlags eine fromme Stimmung, die zu strengster Ausschließlichkeit und Treue beider Ehegatten führt. Gabriele, die ein viel sanfteres und einfacheres Gemüt besaß als die Mutter, hat ein Vierteljahrhundert in hingebender Liebe mit ihrem Gatten, der erst Botschafter in London und dann preußischer Außenminister war, gelebt und hat dann noch mehr als vier Jahrzehnte für Kinder und Enkel und Urenkel ihre große Liebeskraft eingesetzt. Die dritte Ehe, die Marianne Weber 239

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