Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Die sogenannte Konjunktur
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 235 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die sogenannte Konjunktur Wer kein Gold nimmt, mag umsonst arbeiten! riefen die Irrlichter. Goethe, Das Mährchen. Jeder Großsiegelbewahrer der jüdischen Angelegenheiten — wir haben unter Rabbinern, Organisasationsvorständen, Rednern, Schreibern und sonstigen jüdischen „Tuern" einige Hundert — spricht von der Konjunktur, und besonders die „neujüdischen" Schriftsteller werden in Zeitungen und Gesprächen als Konjunkturisten bezeichnet. Konjunktur ist ein wirtschaftlicher Begriff, Konjunkturist ist, wer aus einer günstigen wirtschaftlichen Situation Gewinn schlägt, und sicherlich sind, wenn schon sonst niemand, wenigstens die neujüdischen Schriftsteller seit 1933 Millionäre geworden. Wie könnte es auch anders sein, da das jüdische Buch, besonders das neujüdische, selbst eine Goldgrube ist, ein Alaska, in das sich die unzähligen jüdischen Leser mit toller Gier stürzen, unter großen Opfern graben und Gold waschen und so selbst reich und glücklich werden. Ja, das Judentum hat eine Hochkonjunktur, die Verjudung der Juden ist unaufhaltsam, die in der nun schon dreijährigen Hausse ständig steigenden Papiere sind die Bücher der neujüdischen Schriftsteller, die selbst . . . ja, die Leut' leben! Dabei, wenden die Großsiegelbewahrer ein, sind sie erst mit der Konjunktur in die Branche gekommen, und gewiß ist es ein Unglück, daß man das nicht verhüten konnte. Denn was machen diese Konjunkturisten? Überflüssige, längst getane Arbeit. Die Romane, die Gedichte, die sie schreiben, ja selbst ihre Bücher über das Judentum sind ja nur ein Einrennen von offenen Türen, und das kann auch nie anders werden, denn sie sind Neulinge, und die jüdische Kunst und Wissenschaft sind ja so vollkommen bis ins Letzte durchgeackerte und übrigens auch für einen Kreis von altbewährten Fachleuten reservierte Nährböden, daß die neu jüdischen Konjunkturschriftsteller eigentlich gar nicht nötig wären. Wozu haben die sich überhaupt umgestellt, wozu sind sie hundertfünfzigprozentige Juden geworden, wenn das wahre Geheimnis der Konjunktur doch darin besteht, so wenig wie möglich jüdisch zu sein? Oder nicht? Oder haben die Schriftsteller keine Konjunktur? Seht euch nur die Makler ihrer Hausse an, die Verleger, die Sortimenter, die Buchhändler, — die Leut' leben! Gleich als die Konjunktur losging, stürzten sich die jüdischen Verleger aufs Judentum, suchten händeringend nur noch jüdische Autoren, leider gab es nur wenige, nur die paar Konjunkturisten, die darum immer höher im Preise stiegen, so daß die älteren Verleger, die schon immer Jüdisches herausgegeben haben, noch höhere Preise boten, so daß jene anderen Verleger den Konjunkturschriftstellern schon dafür Unsummen boten, daß sie bloß nicht zur Konkurrenz gingen; hier, nehmt Geld, soviel ihr wollt, überschrien die Verleger einander, nehmt Geld, schreibt lieber nichts, aber nur ja nicht für die Konkurrenz! (Und so ist es zu erklären, daß die neujüdischen Kon- 235