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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 205

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Sportliche Jugend
Date
1936-08-01
Page
205 (sequence 3)
Language
German
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Sport — jüdisch gesehen Soll die jüdische Sportjugend Mission treiben? Soll sie für ihren Gedanken, einen neuen Typ jüdischer Menschen zu schaffen, in den Reihen jener werben, die heute glauben, daß Sport jüdischer Menschen jüdisch nicht zu rechtfertigen sei? Soll ein Gespräch entfacht werden, in dem die jüdische Jugend versucht, den Skeptikern und Reaktionären im Lager der Nicht-Sportler oder Anti-Sportler Sinn und Aufgabe ihrer Sportarbeit klarzumachen? Es wäre nicht viel gewonnen mit einem solchen Gespräch, das von der einen Seite mit dem Versuch begonnen würde, zu überzeugen und zu bekehren. Die ältere Generation hat noch nie solch werbenden Worten Gehör geschenkt. Und wer jüdischen Sport vertreten will, soll nicht versuchen, unter der älteren Generation für ihn zu werben, als sei er ein Seifenfabrikat. Der jüdische Sport in Deutschland hat ein Problem, unter dem seine ganze Arbeit leidet. Es ist das mangelnde Interesse der Zuschauer. Die Vereine wissen kaum, wie sie ihre Arbeit finanzieren sollen, weil die Anteilnahme der jüdischen Öffentlichkeit über die Maßen gering ist. Das ist ein Symptom für die psychologische Naivität, mit der hier Werbung getrieben wird. Die Haltung der älteren Generation, die auf Grund der altersmäßigen Schichtung den Hauptanteil der Zuschauer stellen muß, dem jüdischen Sport gegenüber kann durch Oberzeugungsversuche nicht ausgeglichen werden. Es ist fraglich, ob ein solcher Ausgleich überhaupt Zustandekommen kann. Man muß auch hier wieder die Frage des jüdischen Sportes als in den Generationenkonflikt hineingestellt betrachten. Dort hat es niemals einen Ausgleich, günstigenfalls eine Angleichung der Gegensätze gegeben. Und die jüdische Sportjugend, die eine Erweiterung ihrer Arbeit erstrebt, muß sich um ein Höchstmaß von Angleichung bemühen. Das kann aber nicht durch die übliche Werbung erreicht werden. Hier muß ein Gespräch beginnen, das nichts von dem Widereinander der Meinungen in sich trägt, sondern lediglich der gegenseitigen Unterrichtung gilt. Der jüdische Sport unserer Tage steht noch so sehr in der Entwicklung, daß ihm jede Anregung von Nutzen sein kann. Der Gefahr, die in einer Überschätzung und Übertreibung des nur Körperlichen besteht, kann durch ein solches Gespräch vorgebeugt werden. Die Jugend hat genug Argumente, ihre Position zu verteidigen. Die Entwicklung um uns und in uns gibt ihr recht. Und von jeher war das Leben selbst das schlagendste Argument. Es wäre einfach und billig, sich auf die Feststellung zu beschränken, daß die jüdische Sportbewegung eben da ist und daß ihre Existenz Beweis genug sei für ihre Berechtigung und ihren Wert. Die jüdische Sportjugend schweigt sonst. Hier sollte sie sprechen. Hans Martin Schwarz. 205

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