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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Sportliche Jugend
Date
1936-08-01
Page
204 (sequence 2)
Language
German
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Hans Martin Schwarz sich und nicht als Teil eines immerwährenden Gegensatzes betrachten. Die Betonung des Körperlichen in der modernen Sportbewegung steht im Einklang mit einem Bestreben der jüdischen Jugend heute und hier, sich von der übertriebenen Vergeistigung, die eine vergangene Epoche mit sich brachte, wieder zu lösen. Darum hat der Sport bei uns eine besondere Bedeutung. Er ist Ausdruck einer Richtung innerhalb der Judenheit Deutschlands. Diese Richtung wird von der Jugend repräsentiert, die ihre Aufgabe darin sieht, an die Stelle dessen, was im Gestern hohl und morsch gewesen ist, einen festen, gesunden, kräftigen neuen Stamm zu stellen. Es sei gleich vorweggenommen, daß es hier wie überall nicht der Endeffekt sein darf, wieder in das andere Extrem, wie das der Entgeistigung zu fallen. Und der Ausgleich, den die Sportbewegung unter der heutigen jüdischen Jugend schafft, bedeutet keine hemmungslose Anbetung des Nur-Körperlichen. Es gilt jedoch, dem Gewicht des Geistes die Stärke des Körpers gegenüberzustellen und so einen Menschentyp zu schaffen, der allen Anforderungen des Lebens in dieser Zeit gewachsen ist. Stellt man die Frage nach der Berechtigung der Sportbewegung unter der jüdischen Jugend unseres Kreises innerhalb des Konfliktes der Generationen, so ist auch jene Bewegung zu verstehen, die dem Sport gegenübersteht. Es ist auch nicht verwunderlich, die Front, welche dem Sport entgegensteht, im Lager der älteren Generation zu finden. Und ihre zahlenmäßige Bedeutung hängt darum mit der Überalterung der Judenheit Deutschlands eng zusammen. Die Tatsache jedoch, daß sich diese Front zu einem großen Teil in den Reihen religiöser Menschen befindet, ist nicht so schnell zu erklären. Religiöse und gerade traditionsbewußte Kreise mögen die Haltung, die sie der modernen Sportbewegung gegenüber einnehmen, aus einer unbewußten und wohl auch innerlich unkontrollierten Ablehnung des Revolutionären empfangen. Denn die Sportbewegung ist revolutionär, wie jede Jugendbewegung im Kern etwas Zerstörendes enthält, wobei jedoch außer Frage steht, daß der Wille, auch neu zu schaffen und aufzubauen, mindestens gleich stark ist. Die revolutionäre Idee der jüdischen Sportbewegung hat in Menschen, die der Überlieferung stark verbunden sind, das Gefühl hervorgerufen, daß hier eine umstürzende Tendenz am Werke sei, die an den Festen der Tradition zu rütteln beginnt Kein Wunder schließlich, daß diese Furcht besteht! Betrachtet man die Dinge von weit her, so scheint es keinen größeren Gegensatz zu geben als den zwischen Buch und Faust. Doch der Mensch, auf den es bei unserer Wertung schließlich ankommt, hat in der Gegenwart eine Prägung erhalten, die ihm eine Synthese zweier so gegensätzlicher Begriffe gestattet. Und diesen Typ zu schaffen, einen Menschen, dem Buch und Faust gleichermaßen vertraut sind, hat sich die jüdische Sportbewegung unserer Tage zum Ziel gesetzt. 204

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