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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 188

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
[Rezension]
Date
1936-07-01
Page
188 (sequence 3)
Language
German
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werk hat das Buch zweifellos seine großen Reize und wird durch viele Hände gehen. Eine merkwürdige, um nicht zu sagen fehlerhafte Zeichensetzung und manche sprachlichen Flüchtigkeiten, besonders im ersten Teil, lassen auf technisch allzurasche Fertigstellung schließen und wirken bei der Lektüre störend. Hilde Cohn. Ernst Simons Bialik-Monographie Als einer, der, vom Westen her kommend, den Weg zum neuen hebräischen Schrifttum und damit zu Bialik fand, will Ernst Simon der wachsenden Schar von Lesern, die einen ähnlichen geistigen Entwicklungsgang durchmachen, eine Charakterisierung des Dichters und seines Werks vermitteln, die zugleich die erste deutsche Monographie über diesen Gegenstand ist (in der Bücherei des Schocken-Verlags). Er bringt dazu das ganze Rüstzeug des modernen Geisteswissenschaftlers mit, die Werke des Dichters selbst sind ihm in zehnjähriger Arbeit immer vertrauter geworden, und die mutmaßlichen geistigen und sprachlichenWurzeln der Bialikschen Dichtung gedenkt er systematisch aus mittelalterlichen und altjüdischen Erbgut zu erschließen. Von einem Autor, der fast ausnahmslos Gedichte geschrieben hat, in einer anderen Sprache eine Vorstellung zu vermitteln, hält schon an sich äußerst schwer; in dem vorliegenden Falle wird die Schwierigkeit unüberwindlich, weil Bialik nicht zu denen gehört hat, deren Leben sich durch besondere Buntheit ausgezeichnet hätte. Da also das biographische Material auf wenige Seiten sich zusammendrängen läßt, bleibt dem Literarhistoriker hier kaum etwas anderes übrig, als Analysen der Gedichte zu liefern. Ernst Simon versucht das auch, aber er wird der Aufgabe nicht Herr, einmal, weil er, um in deutscher Sprache verständlich zu sein, eine Übersetzung seinen Untersuchungen zugrunde zu legen gezwungen ist, und dann auch, weil er, wie festgestellt werden muß, nicht die rechte Distanz zu dem Helden seiner Monographie wie überhaupt zum modernen hebräischen Schrifttum hat. Ein Mann wie Bialik war schon von selbst groß und bedeutend genug, um keiner Vergrößerung oder irgendeines überschwänglichen Lobes noch zu bedürfen. Wenn Ernst Simon von Bialik-Rawnitzkis „Sefer ha-Aggada", einer sehr verbreiteten Anthologie talmudischen und midraschischen Erzählungsgutes, sagt, es sei „in seinem erzieherischen und bildnerischen Einfluß mit der Bedeutung von Homer für die griechischen, von Dante für die italienischen Schulen zu vergleichen", so liegt hier ein doppelter Irrtum vor: die dichterische Wertung, bei allem Respekt vor Bialiks Werk, ist abwegig, und wiederum ist eine Edition, sei sie auch die gelungenste, niemals mit einem Originalwerk in Parallele zu setzen. Überhaupt führt Simon gern andre Beispiele, sei es aus der Weltliteratur und -kunst, sei es aus der Geistesprovinz unrrer Tage an, obwohl er jedesmal selber zugibt, daß 188

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