Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Richard Beer-Hoffmann zum 70. Geburtstag am 11. Juli
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 186 (sequence 3)
- Language
- German
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— im Sinne Freuds — durch den Trieb Veredelte, gebändigt Menschliche zu gewinnen. Jüdisch-theologisch ist die Art, wie das Problem des Richtens mit Gott in unmittelbare Beziehung gebracht wird, auffälliger Zusammenklang mit Kafka und der Kabbala, und mit polyphonem Orchester ziehen sich die Abschiedsworte der sterbenden Desiree leitmotivisch durch das Stück: „Vater — Kind — das bleibt doch!" Wenn Charolais ausspricht: „Darauf bin ich ja gestellt, daß ich da muß, wo andre noch nicht müssen!" ist der Jüngling Jaakob vorgeahnt. Nur wird Jaakob in dem, was der Graf dem tierischen Instinkt zuschreibt, die Offenbarung Gottes Heinemann - Festschrift. Die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" widmet ihr Juliheft dem Herausgeber, Prof. Heinemann, als Festschrift zum 60. Geburtstag. Ein „Versuch über die Freundschaft im Judentum" von Max Grünewald führt von der Bibel bis zurGegenwart; interessant ist dabei dieWeiterbildung griechischer Vorstellungen in der Lehre vom „Gefährten" (Chawer) im Studium der Thora: der Freund wird dem Lehrer gleichgestellt, die Freundschaft aber auf gemeinsame Vertiefung in die Lehre ausgerichtet. Albert Lewkowitz stellt Heideggers Existenzphilosophie vom Sinn des Seins dar und konfrontiert sie mit der jüdischen Religionsphilosophie, die eine reine Betrachtung des Seins ohne eine Stufenordnung der Werte nicht anerkennt. Die übrigen Beiträge des Heftes sind mehr fachwissenschaftlich gehalten. begreifen. In der humanisierten Welt des „Jungen David", die auf Treu und Glauben gestellt ist und jedes geschändete MenschenantEtz beweint, wird endlich statt des Weininger-Weibchens Desiree Davids Frau Maacha stehen, den Elementen noch verwandt, aber aus dem Nur-Weiblichen in die Sphäre des Menschlichen erhoben, in der das Chaos der Urmacht sich aufhebt. Dazwischen liegt der weite Weg von den frühen Schöpfungen des Dichters zu seinem kühnen jüdischen Drama in deutscher Sprache, an das wir heute bei Nennung des Namens Richard Beer-Hofmann zunächst denken. Lutz Weltmann. Arthur Eloesser: Vom Ghetto nach Europa. Jüdische Buch-vereinigang. Berlin 1936 Dieser Weg — vom Ghetto nach Europa — hat ein allgemeines Interesse bekommen und verlockt zu vielen Betrachtungen, die, von den verschiedensten Blickpunkten unternommen, auf die verschiedensten Zu- und Abfahrtsstraßen, Aus- und Rückblicke hinweisend, doch alle ein anderes Stück des Weges oder einen anderen Ausschnitt derjenigen, die ihn betreten, auswählen. Zu d e n Beschreibungen, die wirklich dem Wege selbst dienen, ohne auf Ausgang und Ziel mit bestimmter Absicht dauernd Bezug zu nehmen, gehört das vorliegende Buch. Eloesser besteigt zu seiner Sicht den geistesgeschichtlichen Aussichtsturm, und die Erwartung, von seinem literarischen Feldstecher eine reichhaltige und schaff visierte Beute zu bekommen, wird nicht enttäuscht. 186