Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Heine-Kompositionen
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 175 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Friedland: Heine-Komposiiionen und genau die auf gründichen Quellenstudien beruhende kulturgeschichtliche Fundierung ist, und es ist völlig belanglos, wenn Gustav Karpeles in oberflächlicher Betrachtung meint: „Fast alles, was Heine vorbringt, ist richtig, während wir bei sehr viel späteren Erzählern aus der Judengasse den gröbsten Schnitzern begegnen." Genau so wenig bedeutet es aber für die Würdigung des „Rabbi von Bacherach", wenn man mit dem Finger auf mancherlei Unrichtigkeiten hinweist, die dem Verfasser bei der Schilderung des Pessachgottesdienstes unterlaufen sind. So muß der Gesamteindruck des Werkes zwiespältig sein, zwiespältig nicht nur wegen der bruchstückhaften Natur des Ganzen und wegen des Bruches im Stil, wobei Heilig-Ernstes in Satirisch- Ironisch-Komisches ausläuft, zwiespältig wegen der befremdenden Verantwortungslosigkeit, mit der der Rabbi in der Stunde der Gefahr die ihm anvertraute Gemeinde heimlich verläßt, um das eigene Leben und das der Gefährtin zu retten. In seinen späten „Denkworten" auf den Jugendfreund Ludwig Markus charakterisiert Heine mit herbem Tadel den „widerwärtigen" Abfall von Eduard Gans, dem Präsidenten des „Vereins für Cultur und Wissenschaft des Judentums", zu dessen ersten Mitgliedern auch der jugendliche Dichter gehört hatte, und erinnert an „die hergebrachte Pflicht, daß der Kapitän immer der letzte sei, der das Schiff verläßt, wenn dasselbe scheitert". Auch der Rabbi Abraham „kann am wenigsten in bezug auf bescheidene Selbstaufopferung, auf anonymes Märtyrertum gerühmt werden". Dafür ist er wie der zweite Held des Fragments, Don Isaak Abarbanel, ein Abbild der Anlagen und Neigungen, Sehnsüchte und Zerrissenheiten, die dem Schöpfer dieser beiden Gestalten es verwehrt haben, die große Dichtung vom Judenleid zu gestalten. Martin Friedland: Heine ~ Kompositionen Heinrich Heine ist der meistkomponierte Dichter aller Kulturnationen, selbst über den größeren, umfassenderen Goethe hinaus. Von Heines genialem, jungverstorbenem Zeitgenossen Franz Schubert über Löwe, Schumann, Franz, Jensen und Brahms bis zuLiszt, Hugo Wolf, Rubinstein, Tschaikowsky, Grieg, Weingartner, Humperdinck, Klose und Richard Strauss (um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen), durch die wechselnden literarischen und 175