Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Flucht in die Welt
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 164 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gina Gärtier: Fltttht itl (He Welt (Schluß) Der Leuchheim bettet ihn auf die Pferdedecke, er bindet sein eigenes Pferd mit Seil und Kette an die Deichsel neben den Schimmel, er nimmt die Zügel in die Hand. Die Wirtin braucht einen neuen Mann. Auch der Bauer lebt. Er fährt langsam im Schritt daher, ist aber nicht traurig, nein. Warum auch? Einer überholt ihn und singt freudig: Am Sonntag ist Kirmes, Da versauf ich mein Geld, Steig hinauf in den Himmel, Guck hinunter in die Welt. * Warum aber bist du traurig, Süßkind? Es ist so lange her, daß man dich so benannte, süßes Kind, liebes Kind. Ach, dir liegt wohl schon der Geschmack des Todes auf den Lippen, er brennt dir die Kehle aus bis in den Magen und ins Eingeweide hinunter. „Der Tod ists nicht, der brennt, — es ist das Leben, gelebtes und ungelebtes. Das Leben! Starkes, mächtiges, junges, unbedachtes, vor meinem Haus gehst du vorüber, und ich seufze auf. Doch das Seufzen ist meine Sünde, denn ich weiß es besser. Wie sollt' ich dabei fröhlich sein, wenn ich das all betrachte? Doch heg' ichs in dem Herzen mein mit fleißigem Bedachte, daß meine SeeP dort Kummers rein. Eh/ war es mir in Sünden wohl: Allmacht'ger Herre, du bist aller Gnaden voll, Hilf mir, daß meine SeeP dort vor dir Gnade finde! Auch das Wort wollte nicht gehorchen, das geliebte, es bog sich mir nicht. Flamme sollte es sein, die lodert von flackernden Gefühlen, aber der Regen der Traurigkeit ging darauf nieder und das Holz wurde feucht. Blüte, Blüte des grünen Frühlings sollte es sein — ach wehe dem, der sich der Frucht entziehen will. Wehe mir! Ich nahm eine Last auf und trug sie fröhlich auf mein Feld wie gute Erde, ich öffnete und schüttete aus, es waren Steine, die mir den Pflug schartig machten. Einen Wunsch habe ich, einen unerfüllbaren: Wie alle nur das Äußere sehen dürfen, oder das Ding im Innersten durch-" dringen, möge geschehen, was da will. Sterben ist das Geringste." Keiner weiß so gut wie ich, wie es kam, daß der junge Süßkind, ein schöner milder Knabe, der im freundlichen Gleich- 164