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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 142

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Eine Heine-Auswahl [Rezension]
Date
1936-06-01
Page
142 (sequence 2)
Language
German
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Schelm von Bergen, unmöglich, auf Belsazer zu verzichten. Und was soll man sagen, wenn auch die Loreley fehlt? Hier hören die rein ästhetischen Gesichtspunkte auf; wichtiger als Altes Kaminstück ist das Lied doch. So richtig und bedeutsam die Auswahl des Unbekannten ist, findet sie hier eine Grenze in dem Takt einem ganzen Jahrhundert gegenüber. Was sonst fehlt, könnte der Charakterisierung dienen: das Parlando des Tons in ,Es war ein alter König* oder ,Ein Jüngling liebt ein Mädchen', das Zynische in Guter Rat, Lied der Marketenderin, Das Hohelied. Es fehlt, alles in allem, in der Lyrik nicht einmal viel, aber Schwerwiegendes. Über die Prosa ließe sich vielleicht noch eher streiten; aber auch hier ist es wichtiger, Fehlgriffe vermieden als alles Wünschenswerte geboten zu sehen, was nun einmal dem Umfang nach nicht möglich ist. Höchstens eine der Volksliedsteilen wäre wohl einem der guten Abschnitte aus der Shakespeare- Arbeit zu opfern gewesen. Bei aller Skepsis — in Anlage und Grundzügen ist die Auswahl vorzüglich und hat alle Aussicht, das Dauerhafte herausgegriffen zu haben, — das, was uns heute dauerhaft erscheint. Die (durch den Wechsel poetischer und prosaischer Stücke besonders schwierige) Anordnung des Drucks ist wieder über alles Lob erhaben. Ein Bändchen also, das manchen veranlassen mag, erneut zu Heine zu greifen, der selbst es sich nicht zumuten wollte, die Perlen aus diesem Meer zu fischen. H. B. Isaak Heinemann — 60 Jahre Am 5. Juni vollendet Professor Isaak He ine mann sein 60. Lebensjahr. Wenn gleich zu Anfang gesagt wird, daß er dieser Zeitschrift ein reger Mitarbeiter ist, so ist damit schon ein Grundzug des Wesens seiner wissenschaftlichen Persönlichkeit und der Art seiner Wirksamkeit gekennzeichnet Isaak Heinemann ist immer bemüht gewesen, den Kreis seiner Tätigkeit von der Mitte strenger Wissenschaftlichkeit und exakter Philologie aus über diese hinaus zu verbreitern und seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Form zu geben, die sie auch weiteren Kreisen zugänglich macht. Heinemann, Dozent an dem jüdisch-theologischen Seminar in Breslau und bis vor kurzem Honorarprofessor an der dortigen Universität, betreut seit dem Tode Branns im Jahre 1920 die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Die zahlreichen redaktionellen Glossen zu Aufsätzen aus allen Gebieten dieser Wissenschaft zeigen auch dem Außenstehenden, wie weit der Kreis seines Interesses sich spannt, und wie ihm das Gesamtbild der Wissenschaft vom Judentum immer gegenwärtig ist. Auch wie im Lichte dieser Wissenschaft sich die Zeitfragen spiegeln, hat Heinemann in Vortrag und Buch einem größeren Publikum mit offenem Auge und aktuellem Sinn dargelegt. Seine wahrhafte Leistung ist an die Erforschung des Hellenismus geknüpft: an Philo, bei dessen Übersetzung ins Deutsche er Mitarbeiter ist, an Poseidonios und man- 142

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