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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 135

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Presseschau: Nachruf auf Oswald Spengler [Rezension]
Date
1936-06-01
Page
135 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Nachruf auf Oswald Spengler „Es gibt nur ein Ende des ewigen Kämpfens, den Tod. Den Tod des einzelnen, den Völkertod, den Tod einer Kultur." Der Mann, der diese das Zeitgefühl tief ansprechenden Sätze schrieb, der den Tod der okzidentalen Kultur voraussagte, — er ist nun selber „den Tod des einzelnen" gestorben. Und allen, die Oswald Spengler die gesetzmäßige Vorherbestimmtheit alles Geschehenden lehrte, ist sein eigener Heimgang völlig unerwartet gekommen. Mit größter Erwartung sah man dem Erscheinen des noch ausstehenden zweiten Bandes seines Buches „Jahre der Entscheidung" entgegen, jenes Buches, das — als 1933 der erste Band erschien — seinen Autor wiederum als den allseitig beachteten Deuter der gegenwärtigen Weltkonstellation erwies. Nun kam an Stelle der mit stärkster Spannung erwarteten Fortsetzung die Todesnachricht. Die Nekrologe, die ihm in der Presse gewidmet wurden, suchen, soweit es die mangelnde Distanzierung von dem Ereignis gestattet, Spenglers außerordentlicher Bedeutung gerecht zu werden. In einem Aufsatz „Der Kritiker des Abendlandes" (Deutsche Allgemeine Zeitung vom 9. Mai) spricht Georg Foerster von seinem „tapferen Leben" und seinem „großzügigen und vielfach neuartigen, wenn auch gewiß nicht unwiderlegbaren Denken". Spengler habe für absolut gehaltene Wahrheiten und Werte so entlarvt, daß sich vor dem erschrockenen Auge des Geistesphilisters ein grandioser Geschichtsrelativismus aufgetan habe. Durch die Zerstörung eines flachen Fortschrittsoptimismus und eines blutlosen Menschheitsbegriffes, in der Verkündung eines heroischen und nationalen Realismus sei er am fruchtbarsten gewesen. Mitten in das Herz matter Ideale wie Glück, Behagen, Liberalität im persönlichen und politischen Bereich habe er das Schwert seiner Thesen von Macht und Wirklichkeitssinn gestoßen. Davon unangenehm berührt, suchte die aufgeschreckte Mitwelt nach Löchern in seinem System. Foerster seinerseits stimmt der morphologischen Geschichtsbetrachtung Spenglers zu, tadelt aber seine ziemlich grobe biologisch-materialistische Auffassung vom Menschen. Treffend kennzeichnet er die beispiellose Wirkung auf die Zeitgenossen: „Er packte mit seinen Gedanken zu, er war eine Kraft; wer ihn las, geriet unweigerlich in einen ungeheuren Spannungsraum hinein und mußte sich, so oder anders, auseinandersetzen — er war, unbeschadet aller Einseitigkeit und aller Irrtümer, ein Geist von Rang und Format." Eine tiefgreifende Würdigung veröffentlicht Theodor H e u ß in der „Frankfurter Zeitung" vom 11. Mai. Er wirft zunächst die interessante Frage auf, ob der vereinsamte Philosoph hätte Tatmensch sein wollen? Spenglers Einsamkeit sei in eine grandiose Verstimmung gewachsen. Ging sie an einem Spiegel vorbei, so hätte sie, in raschem Selbstgenuß, das Profil einer erzürnten Tragik erblickt. Der ungeheure Eindruck, den Spengler 1918 und vertieft in den darauf folgenden 135

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