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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 131

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Schriften um Maimuni [Rezension]
Date
1936-06-01
Page
131 (sequence 2)
Language
German
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Schriften um Maimuni lichkeit der Hebräer''*) entscheidende, nach ihm zu bekämpfende Irrtümer der heutigen Auffassung von Thora und Judentum als ,,maimonidischen" Ursprungs gekennzeichnet. Goldbergs neuerdings gegebene „Kritik der jüdischen Glaubenslehre", wie sie im Denken des Maimonides zu repräsentativem Ausdruck gelangt, ist dennoch alles andere als eine bloß polemische Stellungnahme- Die Abwehr einer bestimmten Religionsauffassung, die sie enthält, ist nur der Negativ-Ausdruck einer vor allem aufbauenden Arbeit, einer Gedankenwelt, deren außerordentliche Positivität selbst ihre Gegner nicht bestreiten werden. Der Autor hat etwas gewagt, das in unserer „indirekt" denkenden Epoche schon längst außer Gebrauch gekommen ist, und das, gestehen wir es, nicht mehr gern gesehen wird: statt sich den großen und beunruhigenden Fragen nach Gott, Mensch und Weltsinn nur durch die Vermittlung des „über sie" Gedachten, der „Literatur", zu nähern, geht er an diese mächtigen Probleme selbst und unmittelbar heran — mit der ganzen Unbekümmertheit, wie sie wohl einem naiveren Zeitalter gemäß ist, in dem geistig neue Positionen noch hervorgebracht werden, ungewohnt aber unserer historisierenden Periode, die sich im „Bericht" erschöpft und auch nur berichtend Stellung zu nehmen wagt. Goldberg macht zunächst gegen die maimonidische Religionsphilosophie von einem schon früher erhobenen und, wie es scheint, durchschlagenden Einwand Gebrauch: der Geist der Thora ist nicht der Geist des Aristoteles. Wenn auch Maimonides an der Philosophie des Griechen manche Korrekturen angebracht hat, um sie mit der Lehre des Judentums in Einklang zu bringen — Korrekturen übrigens, die auch das Christentum für sich gebrauchen konnte — so war dies Korrigieren erstens kein einseitiges (es wurde zwangsläufig auch an der Lehre des Judentums vieles in die Richtung des hellenischen Denkers gebogen) und zweitens kann dieses ganze Ausbessern und Kompromittieren nichts daran ändern, daß Maimonides, der Jude, im Grunde Aristoteliker blieb, wie Thomas von Aquino auch als Christ Aristoteliker blieb. Aristotelismus aber, das im Mittelalter „moderne" „Zeitwissen", ist alles andere als Judentum. Während nun aber dieser Einwand gegen Maimonides sonst wohl dazu führte, es entweder mit einer anderen außerjüdischen Philosophie zu versuchen, ob sie nicht eine Stütze für das Judentum abgäbe — wie es etwa in unserer Zeit H. Cohen mit der Philosophie Kants gemacht hat, der in der Neuzeit „modernen" Philosophie — oder aber überhaupt Philosophie und Judentum für einander fremde Dinge zu halten, ist das gesamte Werk Goldbergs von dem Gedanken aus zu verstehen, daß es eine autochthone Religionsphilosophie des Judentums gebe. Diese aber gibt es nur, wenn es zu dem religiösen Urdokument des Judentums, dem Pentateuch selbst, der als solcher keine Philosophie ist, wenn es zu Sprache und Weltbild der Thora, die in erster Linie nicht philosophisch sind, eine entsprechende philosophische Sphäre und Gedankenwelt gibt, die aber nicht, wie Philon von Alexandrien dachte, sich zur Sprache der Thora verhält wie die Wahrheit zu ihrem symbolischen *) Wir behalten uns vor, auf dieses bei seinem Erscheinen nicht ausführlich gewürdigte Werk und auf die höchst umstrittene Lehre seines Verfassers noch mit einer grundsätzlichen Untersuchung zurückzukommen. Die Redaktion. 131

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