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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 111

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Jüdisches Theater in Deutschland
Date
1936-06-01
Page
111 (sequence 2)
Language
German
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Jüdisches Theater in Deutschland plan darbot. Dann aber wurde zunächst die spezielle dramaturgische Aufgabe gelöst; erst nach deren Lösung wurde das Theater etabliert! Die Stücke, die nicht da waren, wurden unter dem spezifischen Aspekt angeregt, entworfen, buchstäblich gebaut. Man mag an das antike griechische Theater denken, oder an die Mysterienspiele, oder an das englische elisabethanische Theater, oder an das klassische Theätre Francais, oder an das Theater des deutschen Sturm und Drang, oder — in unserer Zeit — an die Reinhardtbühnen, an das jiddische Theater des Ostens und Amerikas, an das hebräische Theater in Palästina. In ihrem Anfang stand allemal die spezifische dramaturgische Idee. Die Dramaturgen der griechischen Antike, die erst dem griechischen Theater die spezifische Gestalt gaben, hießen Aischylos, Euripides, Sophokles. Die elisabethanische Bühne wurde gestaltet von dem eminenten Dramaturgen Shakespeare. Moliere war einer der großen Dramaturgen, die das französische Theater formten. Man denke an den klassischen deutschen Dramaturgen Friedrich Schiller! Max Reinhardt war zuerst der eigenwillige Dramaturg seines Theaters; später, als die spezifischen Reinhardt-Szenarien in wahrhaft kollektiver Arbeit (Felix Hollaender! Hofmannsthal!) zu ebenso spezifischen Reinhardt-Stücken ausgebaut waren, dann erst begann die theatralische Funktion, ging Reinhardt ans Regiepult. Wachtangow, der Gründer der Habima, sah sich ebenfalls zunächst vor ein dramaturgisches Problem gestellt. Jahrelang wurde an der Dramaturgie dieser ersten (noch heute im Aufbau sich befindenden) modernen hebräischen Bühne gearbeitet; jahrelang wurden, unter Wachtangows anregender Führung, Szenarien geformt, umgeformt, ausprobiert; es entstanden Bearbeitungen, Umarbeitungen, Übersetzungen — etwa Shakespeares — ins Hebräische; aber erst viel später, als ein spezifisches Repertoire, gewiß noch in seinen Anfängen, aber doch nachweisbar bereitstand, zeigte sich die Habima der Öffentlichkeit. Wie jedoch wurde das Kulturbunds Theater etabliert? Im Anfang stand eine organisatorische Konjunktur! liin jüdisches Publikum wurde plötzlich sichtbar. Von dem deutschen Gesamtpublikum löste sich — teils freiwillig, teils unfreiwillig — das jüdische Kontingent los; dieser jüdische Bestandteil, immer schon eine breite theaterwillige Schicht, fand sich auf neuem, auf jüdischem Boden zusammen, organisierte sich. Während jedes andere, neu etablierte Theater zu seinem Programm sich erst ein Publikum suchen muß, war hier primär ein Publikum vorhanden — aber kein Programm! In der Tat: Ein betriebsorganisatorischer Sonderfall! Was sollte man diesem automatisch in Erscheinung tretenden Publikum bieten? Gewiß: Das Beispiel Wachtangows, ///

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