Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1936)
- Article
- Der Jugendrabbiner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- 66 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kurt Walter Goldschmidt: Midie tätige lOS MOSßS in San Pietro in Vincoli (Rom) Zu Gott gewendet und von Gott erkoren, Selbst Halbgott, der von heirgem Zorne schnob, Von einem Geist bist Du hier neugeboren, Der gottgleich aus dem Nichts des Blocks Dich hob. Ist's Abglanz von der Gotterscheinung Flammen Im Feuerbusch, der Deiner Stirn entquillt? Denn beides fließt dem Blicke nun zusammen: Moses' und Buonarottis Schöpferbild. Und drückt Dich Deiner Kirchennische Enge — Ein Recken ist in Deiner Hochgestalt, Und um Dein Zürnen wogt's wie Sphärenklänge, Und um Dich braust des Kosmos Urgewalt.. (Fortsetzung von Seile 65) Setzungen über die Grundfragen unseres Lebens wirkliche Ruhe vorhanden ist, und weiter, daß der junge Rabbiner die Bereitschaft besitzt, nicht nur zu hören, sondern zu dem jungen Menschen vor ihm von seinem eigenen Weg bis zu seiner heutigen Stellungnahme zu sprechen. Auch er ist ja in einer unruhvollen Zeit, der Zeit nach dem Kriege groß geworden. So kann gerade er die ganz verstehen, die äußerlich oder seelisch durch die letzten Ereignisse unserer Geschichte aus der Bahn geworfen sind. Er kennt ihre inneren Kämpfe und die neuen äußeren Bedingungen unseres Lebens. So kann er ihnen neuen Halt geben und sie von dem Tiefsten der Seele bis zur praktischen Frage der Berufseignung und Berufswahl führen. Erst in diesem Persönlichsten, das sich vom eigentlich Religiösen auf alle, selbst auf die wirtschaftlichen Gebiete des Lebens ausdehnt, wird sich die „Seelsorge" des Jugendrabbiners erfüllen können. Nach dem, was er da an religiösem Bedürfen unserer Jugend erfährt, wird er die neuen Stunden jugendlicher Feier — etwa den Freitagabend oder den Oneg Schabbat — zu gestalten haben. Das jüdische, das religiöse Erleben unserer Jugend ist wieder gemeinschaftsgebunden. So heißt für sie jüdische Gestaltung des Lebens Gestaltung ihres Gemeinschaftslebens. Hier hat der Jugendrabbiner entscheidend einzugreifen. Dann werden sich ihm immer neu in legitim jüdischer Weise von der Gemeinschaft, von der Gemeinde her die Wege zu den einzelnen Seelen öffnen. Ulrich Steuer. 66